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Eine junge Frau wird nachts auf offener Straße brutal vergewaltigt – ein Schock für die Anwohner des ansonsten beschaulichen Viertels von Tel Aviv. Die Polizei tappt im Dunkeln, keine Hinweise, keine Augenzeugen, keine Verdächtigen. Doch der Vater des Opfers weigert sich, das zu akzeptieren. Er beginnt selbst zu ermitteln und hat den vermeintlichen Täter bald gefunden: den Kleinkriminellen Ziv Nevo, der schon einmal wegen Belästigung angezeigt wurde. Er trieb sich in der Nähe des Tatorts herum, sein Aussehen passt auf die Beschreibung. Doch der erfahrene Ermittler Eli Nahum hat Zweifel. Warum schweigt Nevo während des Verhörs? Warum passt sein Verhalten so wenig zu der Tat, die man ihm vorwirft? Nahum ist zu allem entschlossen, um Nevos Geheimnis auf die Spur zu kommen …
›Tag der Vergeltung‹ hat alles, was ein guter Thriller braucht: Erzähltempo, authentische Figuren und ein faszinierendes Setting. Bestsellerautor Liad Shoham zeigt das moderne Israel fernab von Stereotypen und sorgt dabei für packende Unterhaltung.

Liad Shoham ist Schriftsteller und praktizierender Anwalt. Er studierte an der Hebräischen Universität Jerusalem sowie an der London School of Economics. Liad Shoham ist einer der führenden Thriller-Autoren Israels, alle bislang veröffentlichten Bücher wurden zu Nr.-1-Bestsellern. Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Tel Aviv.

LIAD SHOHAM

TAG DER VERGELTUNG

ROMAN

Aus dem Hebräischen
von Ulrike Harnisch

Die Handlung und die Figuren dieses Buches sowie ihre Namen sind vom Autor frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit real existierenden oder verstorbenen Personen und deren Namen oder wahren Ereignissen wäre rein zufällig.

Für Uri

1

Sarah Glaser presste ihr Fernglas an die Augen und verfolgte den jungen Mann, der mit seinem Hund die Straße entlanglief. Erst vor einer Woche war er als dritter Mitbewohner in die vierte Etage der Louis-Marshall-Straße 56 eingezogen, und seitdem ging er jeden Abend um Viertel vor eins mit dem Hund Gassi. Er lief die Strecke zwischen De Haas und Brandeis auf und ab, bis der Hund seinem Geschäft nachging, und sammelte anschließend den Kot mit einer Tüte auf. Gestern war ihr jedoch aufgefallen, dass er den Hundehaufen entgegen seiner Gewohnheit liegen gelassen hatte. Sie hatte sein Gesicht näher herangeholt, um zu inspizieren, ob er verblüfft war, weil er keine Tüte dabeihatte, wütend, weil er sie vergessen hatte, oder ob er zumindest ein wenig verlegen war, aber das Gesicht des jungen Mannes zeigte keine Regung. Er war weitergegangen, als wäre nichts geschehen. Die Tatsache, dass jetzt ein Scheißhaufen auf dem Bürgersteig lag, schien ihn nicht zu stören. Obwohl sie der Ansicht war, dass ein solches Betragen an Barbarei grenze und es beweise, dass die junge Generation dieses Staates in gehörigem Maße verlottere, hatte sie den Entschluss gefasst, vorerst nichts zu unternehmen. Jedem stand es zu, dass ihm ein Mal verziehen wurde. Daher war sie schon äußerst gespannt, wie er sich in dieser Nacht verhalten würde. Sollte er sich erneut vorm Saubermachen drücken, würde sie nicht länger schweigen und schon morgen früh eine heftige Beschwerde an die Stadtverwaltung aufsetzen – anonym natürlich.

Der Hund verharrte, sie nahm ihn in den Fokus. Sie hatte das Fernglas erst vor einem Monat übers Internet gekauft. Mehr als zehntausend Schekel hatte es sie gekostet. »Die neueste Technologie« hatte die Internetseite des Herstellers ihr versichert. Da sie die Straße selten aus den Augen ließ, um nicht zu verpassen, was im Viertel vor sich ging, hatte sie nicht lange gefackelt. Die Anschaffung hatte sie für sich behalten und der Lieferung jeden Tag entgegengefiebert. Einige Tage später war es eingetroffen – brandneu war es gewesen, es funkelte silbern, hatte hochentwickelte Linsen und eine spezielle Taste. Wenn man die nachts betätigte, hatte man fast so gute Sicht wie bei Tageslicht.

Vor zwei Tagen hatte ihr ältester Enkelsohn sie besucht und sich erkundigt, ob sie den Computer benutze, den sie zum Geburtstag bekommen hatte, und ob sie sich noch an seine kleine Einführung ins Internet erinnere. Beinahe hätte sie ihm von dem netten Geschenk erzählt, das sie sich gemacht hatte, und was man alles damit anstellen konnte. Doch im letzten Moment hatte sie sich auf die Zunge gebissen. Ihre kleine Entgleisung würde in der Familie sofort für Gerede sorgen, und sie müsste sich rechtfertigen, warum es mit 82 ausgerechnet ein Fernglas sein musste, und noch dazu ein derart teures. Sie und Sefi, sein Andenken soll gesegnet sein, hatten nicht gerade im Überfluss gelebt und immerzu Geld »für die Kinder« zurückgelegt. Auf diese Weise Geld aus dem Fenster zu werfen riefe bei ihren Kindern bestimmt Stirnrunzeln hervor, und die beiden Schwiegertöchter würden hinter ihrem Rücken tuscheln. Also kein Wort. Sie erfuhren besser nichts davon. Stand es ihr nicht zu, sich ab und an etwas zu gönnen? Und in ihrem Alter war es ihr gutes Recht, Geheimnisse zu haben.

Der junge Mann aus der vierten Etage in der Louis-Marshall 56 bückte sich und sammelte den Hundekot mit einer Tüte auf. Bei der gestrigen Sache schien es sich um ein einmaliges Vorkommnis zu handeln. Wer weiß. Auf jeden Fall würde sie ihn im Auge behalten. Solche Sachen musste man kontrollieren.

Sie legte das Fernglas in den Schoß und musste plötzlich gähnen. Ein wenig enttäuscht war sie schon, dass er den Hundekot aufgesammelt hatte, das musste sie ehrlich zugeben. Ihre Sätze an die Stadtverwaltung – über die junge Generation, die sich für nichts schämte und der es an Rücksichtnahme und Manieren mangelte – hatte sie in Gedanken schon ausformuliert. Früher wären solche Dinge nicht vorgekommen. Die Leute kannten sich untereinander. Ein solches Verhalten hätte man sich nicht erlaubt. Das Viertel war für die Hafenarbeiter von Tel Aviv, allesamt Sozialdemokraten, gebaut worden. Man hatte die Wohnungen in den vierstöckigen Häusern, die aufgrund ihrer ungewöhnlichen Länge auch Waggons genannt wurden, an sie verlost. Die Leute waren mit dem Herzen dabei gewesen. Sie hatten weder Geld noch Mühe gescheut, um die Nachbarschaft zu gestalten. An freien Tagen pflanzten sie mit den Kindern im Garten Blumen. Die heutigen Mieter waren alle gut situiert oder die Kinder von gut situierten Leuten. In den Wohnungen fand sich nur das Beste vom Besten. Doch was einen Meter vor der Wohnung los war, kümmerte keinen. Von den Grünanlagen ganz zu schweigen. Deswegen konnte sich der junge Mann mit seinem Hund dieses Verhalten erlauben.

Langsam erhob sie sich von ihrem Stuhl. Stand sie in letzter Zeit zu abrupt auf, schwindelte ihr einige Minuten. Sie warf einen Blick in die zweite Etage der Louis-Marshall 54. In der Wohnung war es stockdunkel. Vor zwei Tagen hatte sie das Paar dort drüben bei einem Streit beobachtet, seitdem hatte sich der Mann nicht zu Hause blicken lassen. Den ganzen Abend hatte die Frau weinend am Küchentisch zugebracht. Sie hatte Mitgefühl mit den beiden, vor allem mit der netten Frau, die sie immer mit einem »Schalom« und einem herzlichen Lächeln grüßte, wenn sie sich auf der Straße begegneten.

Sie schlich durch die Wohnung und ging ins Badezimmer. Um ihre Arthritisschmerzen zu lindern, hatte ihr Dr. Schacham viermal täglich Nurofen verordnet, und sie, gehorsam, wie sie war, befolgte die Anweisungen ihrer Ärzte. Aus diesem Grund hielt sie sich seit einigen Tagen bis ein Uhr nachts wach. Die erste Tablette nahm sie um sieben Uhr morgens ein, wenn sie aufwachte, die zweite zum Mittagessen um ein Uhr, die dritte um sieben Uhr abends, eine Stunde vor den Nachrichten, und die vierte – ein Uhr nachts. Hätte der Arzt ihr keine vierte Tablette verschrieben, würde sie bereits um zehn Uhr zu Bett gehen. So hatten Sefi und sie es die letzten zwanzig Jahre gehalten. Ihre Tochter Ruthi meinte, sie solle sich doch den Wecker stellen, aber darauf vertraute sie nicht. Und was wusste Ruthi schon von Schmerzen?

Sie nahm ihre Tablette ein und spülte sie rasch mit einem Schluck Wasser hinunter. Da hielt sie inne und stand kerzengerade da. Sie hörte etwas von draußen. Unten im Hof war etwas im Gange. Bestimmt die Katzen. Jeden Morgen ging sie nach unten, um ihnen Milch zu bringen, und zur Mittagszeit bekamen sie Knochen. Wahrscheinlich fochten sie wieder ihre Rivalitäten aus. Mürrisch schüttelte sie den Kopf, drückte das Fernglas an die Augen und stellte auf Nachtsicht.

Für einen Moment glaubte sie, sie wäre nicht bei klarem Verstand. Doch nein. Das dort unten waren keine Katzen, sondern zwei Leute. Ein Mann und eine Frau. »Wie die Karnickel«, murmelte sie vor sich hin. Aber wieso eigentlich »wie«? Karnickel! Angewidert verzog sie das Gesicht. Auf dem Arm des Mannes sah sie eine große Tätowierung, vielleicht ein Drache, das war ja noch abscheulicher. Überall trieben sich heutzutage Grobiane und Ganoven herum. Selbst in ihrem Viertel. Widerwärtig. Dennoch klebte sie mit den Augen am Fernglas, konnte sich dem Schauspiel nicht entziehen.

Sie erfasste es nicht gleich. Sie war im Kopf nicht mehr so flink wie früher. Es dauerte ein Weilchen, bis die Einzelheiten ein Ganzes ergaben. Dann verstand sie mit einem Schlag: Das war kein Liebespaar. Der Mann vergewaltigte die Frau, hier, vor ihren Augen, im Hof des Hauses, in dem sie seit mehr als vierzig Jahren wohnte, einen Meter neben dem Benjamini, den ihr Sefi nach dem Einzug ins neue Heim gepflanzt hatte. Eine Hand presste der Mann auf ihren Mund, mit der zweiten hielt er ihr ein Messer an die Kehle. Sein Hintern bewegte sich schnell, ging in monotonem Rhythmus auf sie nieder. Jetzt begriff sie – das Jaulen, das sie zuvor gehört hatte, stammte nicht von den Katzen.

Ein Schauder lief ihr über den Rücken. Sie konnte beinahe am eigenen Körper spüren, wie der Mann mit seinem Gewicht auf ihr lastete, ihr die Luft abdrückte. Sie wollte etwas unternehmen, schreien, zum Telefon rennen und die Polizei rufen, der armen Frau helfen, die dort im Hof lag, doch sie tat nichts dergleichen. Stand nur am Fenster, erstarrt, vor Angst wie gelähmt.

Plötzlich hielt der Mann inne, drehte den Kopf und blickte nach hinten, in ihre Richtung. Schnell trat sie ein paar Schritte zurück, ließ sich vom Dunkel der Wohnung verschlucken. Gänsehaut überkam sie. Wenn sie jetzt die Polizei riefe und sie ihn fassten, würden er oder seine Gangsterfreunde mit ihr abrechnen. Mit solchen Leuten durfte man sich auf keinen Fall anlegen. In dieser Verbrecherwelt hatte keiner Mitleid. Schon gar nicht mit einer alten Frau. Was sollte sie denn machen, wenn sie an die Tür klopften? Für solche Eskapaden war sie zu alt und zu gebrechlich.

Nein. Hier galt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Sich rauszuhalten.

Sie ging ins Schlafzimmer, zog mit zitternden Händen die obere Schublade der Kommode neben dem Bett auf. Sie hatte Herzrasen. Sie griff nach den Nitroglyzerin-Tabletten, die ihr Dr. Schacham fürs Herz verschrieben hatte, schob eine unter die Zunge und legte sich, das Fernglas noch um den Hals, aufs Bett. Jedem stand es zu, dass ihm ein Mal verziehen wurde. Außerdem hatte es vielleicht noch ein anderer Nachbar gehört, versuchte sie sich zu trösten, als der Schlaf sie mit seinen Armen umfing. Hier wohnten viele Leute. Die waren jünger und stärker als sie.

2

Adi Regev war in Hochstimmung. Die Luft war angenehm warm, und das leichte Kleid umspielte ihre Beine. Sie kam gerade aus dem Pub in der Nähe ihrer Wohnung, wo sie sich mit den Mädels vom Yoga getroffen hatte. Sie hatten etwas (zu viel) getrunken, (über nichts) geredet, ein bisschen (zu viel) geklatscht, sich über ihre gruseligen Dates ausgetauscht und sich dabei vor Lachen gebogen. Nicht nur das: Ein Typ, der trotz Anzug – bei ihr eigentlich ein Tabu – toll rüberkam, hatte beim Gang zur Toilette Blicke mit ihr ausgetauscht. Kurz bevor sie gingen, war Assaf, so stellte er sich vor, auf sie zugekommen und hatte sie nach ihrer Telefonnummer gefragt. Sie! Nicht Efrat oder Michal, die einfach umwerfend aussahen. Sondern sie. Er hatte eine angenehme Stimme, ein süßes Lächeln, und was das Beste war: Michals neidische Blicke waren ihr nicht entgangen.

Sie liebte Tel Aviv über alles, den Rhythmus der Stadt, die Möglichkeiten, die sich hier boten. Vor allem den alten Norden, in dem sie wohnte. Obwohl er im Stadtzentrum lag, vermittelte er das Gefühl eines authentischen Viertels. Am meisten mochte sie, wenn die jungen Leute am Samstagvormittag die Cafés stürmten oder in den Yarkon-Park radelten. Als sie vor zwei Jahren bei den Eltern in Chadera auszog, war sie unsicher gewesen. Vielleicht wäre sie einsam in der großen Stadt, im »Staat Tel Aviv«, wie man sie auch nannte, und würde als Provinzlerin abgestempelt? Doch ihre Bedenken hatten sich rasch in Luft aufgelöst. Sie hatte jede Menge Freunde und ging fast jeden Abend aus.

Sie riss sich zwar bei ihren unendlich vielen Überstunden als Sekretärin in einer Steuerkanzlei in den Azrieli Towers den Arsch auf, doch sie ging feiern und musste gegenüber niemandem und für nichts Rechenschaft ablegen. Ihre Eltern (vor allem ihr Vater) waren darüber alles andere als glücklich. Sie wollten, dass sie studierte, etwas aus ihrem Leben machte, so wie ihr großer Bruder, der am Technion Ingenieurwesen belegt hatte, oder wie ihre ehemaligen Schulfreundinnen vom Gymnasium, die gerade unter Bücherbergen begraben waren und für die Prüfungen an der Universität oder Hochschule paukten. Im Moment gelang es ihr, alles Weitergehende aufzuschieben und die Ansprüche der Eltern auszublenden. Nicht einfach, angesichts der Tatsache, dass sie ihre Miete zahlten, doch sie setzte alles daran, sich ihre Freiheit zu bewahren und das Leben in vollen Zügen zu genießen.

Sie nahm den schmalen Weg, der zu ihrem Hauseingang führte, und summte vor sich hin. Dank des Alkohols, den sie im Blut hatte, fühlte sie sich noch lebendiger und glücklicher. Morgen war Freitag – vor ihr lag ein Wochenende mit unendlichem Spaß. Vielleicht würde sich sogar etwas mit diesem Assaf ergeben.

Hinter der Hecke raschelte etwas und durchbrach die nächtliche Stille, sie zuckte kurz zusammen. Bestimmt die Katzen von der komischen Alten aus dem Haus nebenan, sagte sie sich.

»Wohnen Sie hier?«, hörte sie einen Mann mit angenehmer Stimme hinter sich fragen.

Abrupt drehte sie sich um. Hinter den hochgewachsenen dunklen Dornensträuchern trat ein großer, dünner Mann hervor, er trug ein Basecap und eine Sonnenbrille. Sonnenbrille? Mitten in der Nacht? Ein Beben ging durch ihren Körper.

»Oh, Sie haben mich erschreckt«, murmelte sie und machte einen Schritt rückwärts.

Er trat näher, doch sie konnte ihn nicht richtig erkennen, da er das Basecap tief ins Gesicht gezogen hatte.

»Warte einen Moment, Süße. Ich habe nur eine kurze Frage. Wohin gehst du jetzt?« Er klang freundlich. Zu freundlich. Es war höchste Zeit, die Flucht zu ergreifen, das spürte sie, aber sie war wie zur Salzsäule erstarrt, wie ein Tier, das vom Scheinwerferlicht geblendet wird.

»Ah, gut, so ist es viel besser.« Er kam auf sie zu, war jetzt nur noch wenige Meter entfernt. »Hab keine Angst. Nur eine kurze Frage. Mehr nicht …«

Seine Worte hatten etwas Beruhigendes, aber seine Stimme, die machte sie nervös, sie klang höhnisch, leicht verächtlich.

»Tut mir leid … ich bin in Eile …«, ihre Stimme zitterte in dem Bemühen, ihre Angst zu verbergen. Sie wandte sich um, wollte einfach nur weg.

Ein Arm umschloss ihren Hals, drückte ihr die Luft ab. Eine Hand packte sie an ihrem langen Haar, derb, nah am Schädel, sodass es bis in die Haarwurzeln schmerzte. Mit einem Hieb ging sie zu Boden, landete auf der Seite. Er zog sie am Haar hinter die hohe Hecke, ihr Gesicht wurde über den Erdboden geschleift.

Sie trat mit den Beinen nach ihm, damit er sie losließ, damit sie nach dem Pfefferspray in ihrer Handtasche greifen konnte, das sie immer bei sich trug, aber er hatte mehr Kraft als sie.

Er setzte sich auf sie, würgte sie, drückte immer fester zu und näherte sein Gesicht dem ihren. Von seinem Geruch, einem Gemisch aus Alkohol, Schweiß und schwerem Rasierwasser, wurde ihr übel. »Ein Schrei – und du bist tot«, sagte er gelassen.

Als er seinen Griff ein wenig lockerte, versuchte sie sich aufzurichten, zu schreien. Doch er war schneller, drückte ihren Kopf mit Wucht auf den Boden und presste seine Hand auf ihren Mund. In der anderen Hand hielt er jetzt ein spitzes Messer. »Keine Spielchen. Ich meine es ernst. Eine Bewegung und ich bring dich um«, er glitt mit dem kalten Metall an ihrer Wange entlang, unter das Kinn, bis die Messerspitze ihre Kehle berührte. Er stach leicht zu.

Der Schmerz fuhr durch ihren ganzen Körper.

»Haben wir uns verstanden?«, fragte er und drückte die Klinge tiefer in ihr Fleisch.

Sie wollte ihn nicht ansehen, doch er packte sie am Kiefer und drehte ihr Gesicht in seine Richtung. Sie hatte Sand und Salz auf der Zunge.

»Haben wir uns verstanden oder soll ich dich langsam aufschlitzen?«

Sie wollte ihm sagen, dass sie verstanden habe, wollte nicken, doch sie konnte sich weder bewegen noch einen Laut hervorbringen. So wie damals, mit sechzehn, als sie mit ihrer Mutter im Auto gesessen und dabei zugesehen hatte, wie sie auf ein anderes Auto zurasten. Damals hatte sie auch schreien, ihr sagen wollen, dass sie bremsen solle, auf die Fahrbahn sehen müsse, aber sie hatte kein Wort herausgebracht.

»Hast du mich gehört, du dummes Ding? Willst du krepieren?«, fragte er und drehte grob ihren Kopf hin und her.

Die Art, wie er mit ihr umging, riss sie aus der Erstarrung. Sie nickte.

»Schon besser. Du rennst nirgendwohin, kapiert? Bist du ein braves Mädchen und machst, was ich dir sage?« Er war inzwischen heiser vor Erregung.

Sie nickte wieder, Brechreiz überkam sie und erstickte sie beinahe.

»Wenn du am Leben bleiben willst, dann musst du darum betteln«, sagte er und nahm die Hand von ihrem Mund. Tränen liefen über ihre Wangen.

»Fleh mich an«, zischte er und drückte das Messer noch fester in ihre Kehle.

»Nein, bitte, nein, lass mich … einfach gehen …« Sie musste so heftig weinen, dass sie kaum sprechen konnte.

»Weiter so«, befahl er ihr.

»Bitte! Bitte nicht! Ich mache, was du willst … tu mir bloß nicht weh …« Ihr Gesicht war von Tränen überströmt.

Er brachte sich in Stellung und schob ihr Kleid hoch, zog ihr den Slip aus, beugte sich über sie, spreizte ihre Beine mit seinem Knie.

»Fleh mich an, oder ich mach dich kalt«, wiederholte er. Sein Gesicht war nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt, sein heißer Atem schlug gegen ihre Wangen.

»Ich flehe dich an …« Sein Penis drang derb in sie ein, rammte sie, fügte ihr heftige Schmerzen zu.

»Weiter so! Fleh mich an!«, kommandierte er und schlug sie ins Gesicht.

»Hör auf … nein … bitte … nein …«, stammelte sie, während er wieder und wieder in sie drang, mit grauenhaft schmerzvollen Stößen.

»Los, weiter so«, flüsterte er ihr ins Ohr und schlug sie ins Gesicht.

* * *

Das kochend heiße Wasser verbrühte ihre Haut, die Wunden brannten, aber sie beachtete den Schmerz nicht weiter. Desinfizieren wollte sie sich – sich von dem Widerwärtigen, das ihrem Körper anhaftete, reinwaschen, seinen Geruch loswerden. Von Kopf bis Fuß seifte sie sich ein, akribisch darum bemüht, jede Pore zu erfassen, auch nicht eine Hautpartie auszusparen. Dann wieder. Wieder. Und wieder.

* * *

Sie vermochte nicht zu sagen, wie lange es sich hingezogen hatte. Eine Ewigkeit womöglich. Sie hatte gebetet, dass es vorbei wäre, endlich vorbei wäre, doch die Zeit stand still. Sie war unter ihm eingeklemmt gewesen, war beinahe an ihren Tränen erstickt, hatte ihn angefleht, während er in sie hineinhämmerte. Noch mal. Und noch mal. Und noch mal.

Irgendwann war er aufgestanden, hatte die Hose hochgezogen und sich aus dem Staub gemacht; sie hatte er dort auf dem Boden liegen lassen. Als sie annahm, dass er fort war und nicht zurückkäme, hatte sie sich übergeben. Gewürgt, bis ihr Rachen loderte.

Wieso hatte sie nicht um Hilfe gerufen? Das Rascheln in der Hecke hatte sie doch gehört. Wie hatte sie ihm in die Falle gehen können? Weshalb hatte sie nicht geschrien, als er seine Hand von ihrem Mund genommen und sie dazu Gelegenheit gehabt hatte? Vergewaltiger wählten ihre Opfer sorgfältig aus, hatte sie einmal gelesen. Warum zum Teufel hatte er es ausgerechnet auf sie abgesehen?

Sie hatte noch einige Minuten auf dem Boden zugebracht. Aufgelöst in Tränen. Der saure Geruch des Erbrochenen brannte in der Nase. Die Wunde am Kinn blutete. Obwohl sie jetzt um Hilfe rufen, weglaufen wollte, fühlte sie sich zu schwach, war zu keiner Handlung fähig. Sie wurde immer noch von ihm ferngesteuert. Schließlich war sie aufgestanden, hatte sich langsam Richtung Hauseingang und dann nach oben in ihre Wohnung geschleppt.

* * *

In der Dusche lief das Wasser in Strömen, ergoss sich über sie, verbrannte ihre Haut. Zusammengekauert saß sie in der Ecke, zerfloss in Tränen und zitterte, spürte ihn nach wie vor auf sich, in sich.

* * *

Sie bekam eine SMS von Assaf, dem Typ aus dem Pub. »Lust auf ein Treffen?«, schrieb er mit einem Smiley. Er hatte im Laufe des Tages schon einmal angerufen. Sie war nicht rangegangen, so wie sie das ganze Wochenende über nicht ans Telefon gegangen war. Sie hatte die Zeit im Bett verbracht, geschlafen, in die Luft gestarrt, geweint, sich Vorwürfe gemacht – warum hatte sie ihm nicht gesagt, dass sie ihre Regel habe, schwanger sei, eine Geschlechtskrankheit habe? Warum hatte sie nicht wenigstens versucht, ihn davon abzuhalten? Wenn sie aufstand, dann nur, um die Wunde am Kinn mit einem neuen Pflaster zu versorgen und um sich zu waschen, noch einmal und noch einmal. Sie achtete darauf, ihrem Spiegelbild auszuweichen, darauf, nicht sehen zu müssen, wie er sie zugerichtet hatte.

Sie schaute auf ihr Handy. Was sollte sie Assaf schreiben? Dass sie es bedauere, ihr aber das Ausgehen momentan nicht so leichtfalle, da sie alle paar Minuten weinen müsse und nicht nur das? Dass sie allein den Gedanken, er könnte sie berühren, abstoßend finde?

Gestern Nachmittag hatte sie beschlossen, den Vorfall zu begraben, sich zusammenzureißen, ins Leben zurückzukehren. Es war ihr sogar geglückt, sich aus dem Bett zu schwingen und sich davon zu überzeugen, dass das möglich sei, doch binnen eines Augenblicks war alles wieder über sie hereingebrochen, und sie hatte sich die Decke über den Kopf gezogen. Und wenn er sie mit irgendeiner Krankheit angesteckt hatte? Oder sie geschwängert hatte?

Mit zitternden Fingern schrieb sie eine SMS an Assaf, dass es ihr gerade nicht passe, es ihr leidtue, es nicht an ihm liege, sondern an ihr. Prompt schickte er ihr ein Emoticon mit einem traurigen Gesicht. Wieder musste sie weinen. Dann schlief sie vor Erschöpfung ein.

* * *

Ihr Handy weckte sie. Es waren ihre Eltern. Sie riefen bereits zum fünften Mal an, aber sie nahm nicht ab. Gestern hatte sie ihnen eine SMS geschickt, dass sie, anders als sonst, nicht zum Essen am Freitagabend käme. Sie hatte beschlossen, ihnen nichts davon zu erzählen. Zum einen wollte sie ihnen den Schmerz ersparen und zum anderen würden sie darauf bestehen – das wusste sie –, sie ins Krankenhaus und zur Polizei zu bringen, wenn sie ihre Tochter in diesem Zustand sähen. Doch dazu war sie unter keinen Umständen bereit. Sie wollte allein sein, in Abgeschiedenheit ihre Wunden lecken, ohne von Polizisten umringt zu sein, die sie mit ihren Fragen löcherten, oder von Ärzten, die an ihrem Körper herumfummelten.

Wieder riefen die Eltern an. Sie drückte den Anruf weg und stellte das Handy auf »Lautlos«.

* * *

Zunächst dachte sie, es wäre ein Traum. Doch nein. Jemand klopfte an ihre Tür. Wieder und wieder. Zunächst behutsam, dann kräftiger. Sie war starr vor Angst. War er es?

Sie sah auf die Uhr. Halb elf. Samstagabend.

Wer konnte das sein?

Sie blieb im Bett, wie paralysiert, hatte Angst, sich zu rühren. Vielleicht würde er einfach weggehen, aufgeben, sie in Ruhe lassen.

Doch das Klopfen ließ nicht nach. Es wurde eindringlicher, hartnäckiger. Was sollte sie tun, wenn er die Tür eintreten würde?

Sie hörte, wie jemand ihren Namen rief. Sie versuchte sich mit aller Macht zu konzentrieren, genau hinzuhören.

Nein, sie irrte sich nicht. Sie kannte diese Stimme.

3

Amit Giladi sah sich auf seiner Lieblingshomepage die neuesten Pornos an. Hin und wieder klickte er einen an, der ihm reizvoll erschien, doch kaum eine Minute verging und schon war er beim nächsten. Er war nicht bei der Sache. Immer wieder schielte er zu seinem Handy, das neben ihm auf dem Schreibtisch lag, in der Hoffnung, es würde klingeln. »Deep Throat«, seine Quelle, hatte ihm versichert, sich gegen Abend zu melden, um durchzugeben, wo der Umschlag mit dem Material deponiert war. Der Name war eine Reminiszenz an die beiden Enthüllungsjournalisten, die er hoch schätzte.

Bisher hatte er niemandem von diesem Kontakt erzählt. Sollte an der Story etwas Wahres sein, gehörte sie ihm, allein ihm. Seit siebeneinhalb Monaten arbeitete er als Reporter für die Tel Aviver Lokalzeitung und war für die Ressorts »Verbrechen« und »Bildung« zuständig. Vor anderthalb Monaten hatten sie ihm »Bildung« aufgedrückt, da sein Vorgänger im Rahmen der »Effizienzsteigerung« weggekürzt worden war. Obwohl er eine Menge lernte, vor allem von Dori Engel, dem Redakteur, konnte er es kaum erwarten, ins Überregionale zu wechseln, wirklich brisante Fälle aufzudecken und nicht länger über Lokalgeschichten berichten zu müssen.

»Deep Throat« hatte ihn kontaktiert und ihm gesteckt, dass er brisante Informationen über Korruption in der israelischen Polizei habe. Hochrangige Polizeibeamte, Vertraute des obersten Polizeichefs, so behauptete er, würden auf angebliche Fortbildungen ins Ausland geschickt, wo sie auf Kosten des Steuerzahlers in Luxushotels residierten. Er hatte Namen und Hotels recherchiert.

Amit hatte ihm entlocken wollen, woher er seine Informationen beziehe. War er Polizist? Wenn ja, welchen Dienstrang hatte er? Eine weitere Frage in diese Richtung, so sagte »Deep Throat«, und er würde auflegen. Amit wollte wissen, wie er ausgerechnet auf ihn gekommen war. Eine solche Story wäre für die überregionale Presse doch ein gefundenes Fressen. »Deep Throat« hatte gemeint, dass die meisten Polizeibeamten aus dem Bezirk Tel Aviv seien und die Tel Aviver Lokalzeitung »dazu die Eier in der Hose habe«, doch überzeugt hatte ihn das nicht. Amit wollte Dokumente, Beweismaterial sehen, bevor er mit der Story losziehen würde. Ältere und wesentlich erfahrenere Journalisten hatten ihre Karriere ruiniert, weil sie Material vor der Berichterstattung nicht geprüft hatten. Was das betraf, hatte »Deep Throat« sogar Verständnis. Sonntagabend würde er ihm durchgeben, wo er den Umschlag mit den belastenden Dokumenten finden würde.

Schon seit dem frühen Nachmittag stand er unter Anspannung, fragte sich, wann er anriefe und was er für ihn hätte. Doch Funkstille. Inzwischen war es elf Uhr abends. Hatte er es sich anders überlegt, oder noch schlimmer: es einer anderen Zeitung angeboten?

Er warf sich aufs Bett und starrte an die Decke, von der die Farbe abblätterte. Wie gern würde er in einen anderen Teil der Stadt ziehen, doch mehr als dieses winzige Zimmer in der ersten Etage an der lauten Allenby konnte er sich nicht leisten. Der Geruch frischer Falafel drang aus dem Laden unter ihm in seine Nase. Selbst dafür fehlte ihm das Geld. Er musste mit den Falafel-Bällchen Vorlieb nehmen, die ihm seine Mutter umsonst zubereitete.

Das Klingeln riss ihn aus seinen Gedanken. Hastig griff er nach dem Handy, beinahe hätte er es vom Tisch gestoßen.

»Sag mal, Giladi, zum Teufel noch mal, wozu habe ich dich eigentlich eingestellt?« – Enttäuschung machte sich breit, das war Doris zornige Stimme.

Er gab keine Antwort. Dori hatte zwar ein loses Mundwerk, aber auch einen guten Riecher und einen sechsten Sinn.

»Hör auf zu wichsen. In der Welt da draußen wird dein Typ verlangt«, setzte Dori noch eins drauf, als es in der Leitung still blieb.

»Ich bin ganz Ohr, Dori. Wo brennt’s?«, sagte er gelassen. Schon nach wenigen Monaten bei der Zeitung hatte er kapiert, dass man auf diese Provokationen besser nicht einging. Der Tag würde kommen, da er Dori seine Erniedrigungen heimzahlte, das hatte er sich geschworen. Sobald er seine Exklusivstory in der Tasche hatte, würde er diesem Wurstblatt den Rücken kehren. Bis dahin galt: Zähne zusammenbeißen und Maul halten. Immerhin war er mehr auf Dori angewiesen als umgekehrt.

»In der Louis-Marshall hat es eine Vergewaltigung gegeben, das halbe Polizeiaufgebot dieser Stadt ist vor Ort, alle Medienvertreter, nur mein Reporter für Verbrechen hängt zu Hause ab und kratzt sich am Sack«, bellte er in den Hörer.

Amit stieg das Blut in den Kopf. Was für ein Fiasko. Kein Wunder, dass Dori tobte. Er prüfte sein Funkgerät, das immer auf Polizeifrequenz eingestellt war. Er hatte es mittags ausgestellt, um sich aufs Ohr zu legen. »Deep Throat« hatte ihn abgelenkt. Er hatte glatt vergessen, es wieder einzuschalten.

»Tut mir leid … hab ich nicht mitbekommen …«, stammelte er. Na wunderbar. Supersache. Da konnte er von einem Wechsel zu einer überregionalen Zeitung so viel träumen, wie er wollte: Wenn er nicht auf der Hut wäre, würde er noch vorher gefeuert. Dori kannte kein Mitleid, ein Fehler und man war draußen. Das Niveau der Zeitung stand bei ihm an erster Stelle. Erst vor wenigen Tagen hatte er Na’ama, die für »Gesundheit« zuständig war, rausgeworfen, weil sie fehlerhaftes Material an die Redaktion geschickt hatte. »Du blöde Kuh, geh mir aus den Augen«, hatte er sie vor der ganzen Belegschaft angeschrien. So könnte auch sein Schicksal aussehen. Bei aller Unzufriedenheit war ihm durchaus bewusst, dass eine ganze Reihe von Leuten auf seinen Job scharf wäre.

»Dein ewiges ›es tut mir leid‹ kannst du steckenlassen«, brüllte Dori ihm ins Ohr. »Nimm den Finger aus dem Hintern und mach dich schnellstens dorthin. Morgen früh will ich 500 Wörter auf meinem Tisch haben.«

Er schwang sich auf sein Motorrad und fuhr in den alten Norden. Schweiß trat ihm auf die Stirn. Er war schon vor drei Jahren von Jerusalem nach Tel Aviv gezogen. Die ungezwungene Art zu leben passte ihm gut. In Jerusalem ging es ernst und schwermütig zu. Nur an die hohe Luftfeuchtigkeit hatte er sich immer noch nicht gewöhnt. Auf dem Weg überfuhr er mehrere Ampeln bei dunkelrot. Dass er etwas nicht mitbekam, durfte ihm bei seiner Arbeit nicht passieren. Dori stand gehörig unter Druck, das war nachvollziehbar. Eine Vergewaltigung sorgte für eine hohe Auflage – ein angesehenes, sicheres Viertel war der letzte Ort, wo man ein Gewaltverbrechen vermutete. Wie schade, dass die Leute nicht wussten, dass »der letzte Ort« ein Klischee war, das jeglicher Grundlage entbehrte. Als Kriminalreporter wusste er: Verbrechen waren allgegenwärtig.

Die Straße war voller Menschen. Er sah Jael Gilboa von der überregionalen Tageszeitung Haaretz und Sefi Reschef von Galei Zahal, dem Armeesender. Sie sprachen mit einem hochgewachsenen Polizisten, den er nicht kannte. In seinem Job ging es darum, als Erster vor Ort zu sein, die Story vor allen anderen zu bringen. Der Zug war abgefahren, verdammter Mist.

Sein Handy klingelte. Wieder Dori.

»Was hast du herausgefunden?« Sein Ärger war nicht zu überhören.

»Ich bin gerade erst eingetroffen«, brüllte er ins Telefon, um den Tumult zu übertönen.

»Besorg mir eine Exklusivmeldung. Weißt du, was das ist, Giladi?«, ranzte Dori ihn an und legte auf. Amit seufzte. Nicht allein, dass das Budget der Zeitung nach und nach gekürzt wurde, es wurde überhaupt infrage gestellt, ob ihre Zeitung gebraucht wurde. In letzter Zeit hatten landesweit viele Journalisten ihre Stellen verloren, darunter nicht wenige, die seit Jahren dabei waren und beachtliche Renommees hatten. Dori hatte guten Grund, auf seine Exklusivmeldung zu pochen, so viel stand fest.

Er stellte sich zu den zwei Journalisten und versuchte mitzubekommen, was der Polizist an Informationen hatte. Vor einer Woche hatte er eine Reportage über einen hochrangigen Tel Aviver Polizeibeamten geschrieben, der in einem Tobsuchtsanfall die Schuldirektorin seines Sohnes angeschrien hatte. Daraufhin hatte sie die Polizei gerufen. Der Chef der Polizeipressestelle Tel Aviv hatte Dori bekniet, auf die Veröffentlichung zu verzichten, er würde sich auch erkenntlich zeigen. Doch darauf hatte Dori sich nicht eingelassen. »Wenn wir es nicht bringen, macht es eine andere Zeitung. In unserem Beruf ist Mitleid fehl am Platz«, hatte er rigoros entschieden. Nun hatte Amit den Salat – wer würde mit ihm reden? Wer würde ihm seine Exklusivstory liefern? Mit ein wenig Glück würde die Polizei eine Nachrichtensperre über die Vergewaltigung verhängen, die die anderen Journalisten, sollten sie etwas in der Hand haben, an der Veröffentlichung hinderte.

Wieder klingelte sein Handy. Was will er jetzt schon wieder? Amit kochte innerlich. Auf dem Display stand »Unbekannt«. War es der Anruf von »Deep Throat«, den er so dringend erwartete?

Er sah sich nach einem Ort um, wo er in Ruhe telefonieren könnte, doch überall herrschte Unruhe.

»Hallo«, schrie er in den Hörer.

Hinter ihm heulte eine Polizeisirene.

»Hallo«, schrie er wieder.

Der Anrufer legte auf.

4

Jaron Regev saß in seinem Wagen, das Haus, in dem seine Tochter wohnte, fest im Blick. Wie lange er hier Wache halten müsste, war ihm egal. Von ihm aus nächtelang, monatelang, jahrelang, bis er darauf bauen konnte, dass es ihr besser ging. Hatte er etwa nicht ganze Nächte an ihrem Bett verbracht, wenn sie als kleines Kind schlecht geträumt hatte? Was war daran so anders? Für ihn war sie nach wie vor seine kleine Tochter.

Er öffnete die Dose mit den belegten Broten, die Irith ihm gemacht hatte. Obwohl sie der Meinung war, er würde übertreiben und sie sollten Adis Entscheidung, in ihre Wohnung zurückzukehren, respektieren, stand die Brotdose jeden Abend für ihn bereit.

Rasch wickelte er das belegte Brot aus und warf das zerknüllte Papier auf den Beifahrersitz. Auf seiner Rückfahrt in den frühen Morgenstunden würde er das ganze Papier, die Snack-Verpackungen und leeren Kaffeebecher entsorgen.

Unter Umständen hatte Irith recht und er musste damit aufhören, doch eben das konnte er nicht. Wenn Adi ihn brauchen würde – wäre es auch nur für eine klitzekleine Sache –, wollte er zur Stelle sein, ihr beistehen, und zwar binnen drei Minuten.

In letzter Zeit hatte er viel an Adis Kindheit zurückgedacht. Er entsann sich ihrer ersten Schritte, ihrer ersten Worte, wie er sie in den Kindergarten gebracht und mitunter auch wieder abgeholt hatte. Wie sie dann auf ihn zugerannt und ihm um den Hals gefallen war, wie sie mit ihren kleinen Armen sein Bein umklammert hatte, nicht wieder loslassen wollte und gelacht hatte. Vor allem wie sie gelacht hatte. Ein schallendes Lachen, das die gesamte Familie ansteckte und ihm unendliches Glück bescherte.

Die Erinnerung an diese Zeit ging ihm durch Mark und Bein, denn Adi hatte aufgehört zu lachen. Sie saß nur noch still da, in sich gekehrt, starrte ihre Hände an, die auf den Knien ruhten, und weinte. Weinte ohne Unterlass. Lautlos, doch ihre Tränen trommelten wie bei der chinesischen Wasserfolter auf sein Herz.

Seit dem Vorfall hatte er das Gefühl, jeden Moment in Einzelteile zersprengt zu werden. Er gab sein Bestes, um stark zu sein für Adi, für Irith, spürte aber, wie ihn die Kräfte verließen, wie er allmählich den Verstand verlor. Er brachte nichts zuwege. Konnte sich auf nichts konzentrieren. Vermochte weder zu schlafen noch zu arbeiten.

Gelang ihm das Einschlafen, suchten ihn Albträume heim. Adi lag auf dem Boden, vor Entsetzen außer sich, flehte um ihr Leben, und ein fremder Mann, eine Bestie von einem Menschen ohne Gesicht, verging sich an ihr. Mit schreckgeweiteten, tränennassen Augen sah sie ihn an, rief um Hilfe. Er rannte zu ihr, wollte ihre Hand greifen, sie von dort wegholen, konnte aber nicht zu ihr gelangen. Kalter Schweiß trat auf seine Stirn. Er wollte schreien, aus vollem Hals, war aber keines Wortes mächtig. Nicht mal zu einem Schluchzen war er imstande. Was hätte er darum gegeben, weinen zu können.

* * *

Ein Lied aus dem Radio, mit penetrantem Rhythmus, riss ihn aus dem Schlaf. Sich die ganze Nacht im Sitzen wach zu halten war eine Tortur, auch wenn er Irith das Gegenteil weismachte. Nicht eine Stelle an seinem Körper, die ihm nicht wehtat. Nickte er für einige Minuten ein, schreckte er kurz darauf entsetzt hoch, nickte dann wieder ein, und so ging es in einem fort. Halb schlafend, halb wachend. Nacht für Nacht. Seit drei Wochen. Ohne Unterbrechung. Den Schlaf versuchte er tagsüber zu Hause oder auf der Arbeit nachzuholen, wenn Adi ebenfalls arbeiten war, an einem sicheren Ort, wie er hoffte.

Er beugte sich leicht nach vorn, um auf die Uhr zu schauen. Sein Nacken war steif. Es war halb zwei. Adi schlief sicher schon. Sollte er nach Hause fahren und sich ebenfalls ein paar Stunden hinlegen? Irith würde es begrüßen.

Er stellte die Rückenlehne senkrecht und wollte gerade den Motor starten, doch dann hielt er inne. Und wenn sie plötzlich aufwachen und ihn brauchen würde?

Er lehnte sich wieder zurück und gähnte aus vollem Herzen. Sein Kopf war bleischwer. Vielleicht sollte er sich in dem Café gegenüber, das rundum geöffnet hatte, einen Kaffee holen. Tel Aviv hatte etwas für sich, das gab es anderswo nicht. Schon gar nicht in Chadera. Dennoch würde er hier nicht wohnen wollen. Chadera war zwar nicht mehr die urige Stadt von einst, als die Kinder klein gewesen waren und jeder jeden kannte, doch ging es dort längst nicht so anonym zu wie hier. In letzter Zeit hasste er Tel Aviv regelrecht, den Autolärm, das Chaos, das Gerangel um die Parkplätze, die Taxis, die unverhofft die Spur wechselten, die englischen Schriftzüge über den Schaufenstern.

Der Schlaf zog an seinen Augenlidern. Nur fünf Minuten, beschloss er, dann würde er sich einen Kaffee holen. Da schreckte er plötzlich aus seinem Sitz auf. An seinem Auto ging ein hochgewachsener, dünner Mann mit Basecap vorüber.

Auf der Straße war es still. Der Mann lief langsam, sah sich genau nach allen Seiten um, als suchte er etwas. In etwa dreißig Metern Entfernung blieb er stehen und duckte sich mit einer schnellen Bewegung. Jaron streckte sich in seinem Autositz, um ihn nicht aus den Augen zu verlieren, und konnte zwischen zwei parkenden Autos sein Basecap entdecken. Er warf einen Blick auf die Straße. Auf der anderen Seite ging ein Mädchen mit langem Haar, sie war nicht mehr weit weg.

War das möglich? War dieser Mann, der gerade hier vorbeigegangen war, der Vergewaltiger? Kreuzte er hier auf, um sich auf das nächste Opfer zu stürzen? Wartete er auf das Mädchen mit dem langen Haar, so wie er vor einem Monat auf seine Adi gewartet hatte? Hockte er deshalb hinter den Autos?

Was zum Teufel sollte er jetzt tun? Das war die Gelegenheit. Er konnte das Mädchen retten und den Täter fassen. Alles hing von ihm ab.

Jaron stieg aus dem Auto. Obwohl er alles daransetzte, so leise wie möglich zu sein, durchbrach das Schließen der Autotür die Stille. Er ging in Richtung des Mannes, der auf dem Boden hockte. Und dort immer noch verharrte. Jaron und ihn trennten nur noch wenige Meter. Als der Mann sich plötzlich mit einer flinken Bewegung erhob, den Kopf zu ihm drehte und ihn ansah, stockte Jaron der Atem. Er schaute ihn nur einige Sekunden an, doch er meinte, sämtliche Einzelheiten seines Gesichts erfasst zu haben: das längliche Gesicht, die Adlernase, die schmalen Lippen und vor allem – seine schreckgeweiteten Augen.

Das Mädchen blickte kurz zu ihnen herüber, ging dann weiter und bog schnell in einen Innenhof ein. Der Mann sah wieder zu ihm, rang offenbar mit sich, was er tun sollte. Ihre Blicke kreuzten sich, Jaron sah ihm in die Augen und wusste es: Dieser Mann hatte Adi vergewaltigt. Es stimmte einfach alles – der Körperbau, das Basecap, die späte Uhrzeit, zu der er sich auf der Straße herumtrieb und sich versteckte, das Mädchen, der Schreck in seinen Augen, als er erkannte, dass ihm einer auf die Schliche gekommen war.

Über Wochen angestaute Verbitterung schlug in ihm hoch, wollte sich Luft machen, Jaron spürte es. Dieses Ungeheuer war in der Dunkelheit über Adi hergefallen und hatte seinen Trieben freien Lauf gelassen. Seinetwegen saß sie verstört zu Hause und weinte Tag für Tag. Seine schöne, seine süße Tochter, murmelte er vor sich hin. Seine Adinka. Hätte er eine Pistole, würde er ihm eine hübsche Kugel in den Kopf jagen. Er ballte die Fäuste. Wäre er nur einige Jahre jünger, würde er ihn sich vorknöpfen und ihn fertigmachen. Doch jung war er nicht, daher musste er wenigstens clever sein.

Der Mann entfernte sich von ihm, und Jaron nahm die Verfolgung auf. In ein paar Stunden würde er Eli Nachum anrufen, den Kommissar, der die Ermittlungen in dem Fall leitete, und ihm den Täter auf dem Silbertablett servieren.

Der Mann entschied sich für eine Seitenstraße. Jaron legte einen Schritt zu. Auf keinen Fall durfte er ihm entwischen.

Als Jaron in die Straße einbog, war der Mann bereits am anderen Ende. Wieso war er so schnell? War er gerannt? Hatte er mitbekommen, dass er hinter ihm her war?

Jaron ging noch schneller. Er war außer Atem. Schweiß tropfte ihm von der Stirn, das T-Shirt war schon ganz durchgeschwitzt. Die immense Anspannung der letzten Zeit und der Schlafmangel hatten ihre Spuren hinterlassen. »Du bekommst noch einen Herzinfarkt«, hatte Irith ihn gewarnt. »Oder du wirst vor Übermüdung wahnsinnig.« Er war ja kein junger Mann mehr. Er war sechzig. Ein Großvater, der bereits zwei Enkelkinder hatte. Adi war seine älteste Tochter und schon vierundzwanzig. Womöglich behielt Irith noch recht und er ging hier, mitten auf der Straße, wegen eines Infarkts zu Boden. Na und? Aufgeben kam nicht in Frage. Hätte Adi die Gewissheit, dass der Mann, der sie vergewaltigt hatte, hinter Schloss und Riegel war, würde sie vielleicht schneller ins Leben zurückfinden und könnte dieses schreckliche Erlebnis hinter sich lassen.

Als er das Ende der Straße erreicht hatte, war niemand zu sehen. Weit und breit kein Mensch. Von dem mysteriösen Mann keine Spur. War er in eins der Häuser gegangen? Hatte er dazu Zeit gehabt? Jaron stand da, keuchte, sein Herz raste. Er ging einige Schritte rückwärts, setzte sich auf eine Bank und lehnte den Kopf nach hinten, damit sich sein Herz beruhigte. Frust überkam ihn. Er war so nah an ihm dran gewesen!

Doch nein, die Sache war noch nicht vorbei: Auf einmal kam er aus einem Innenhof. Er blieb stehen, blickte sich nach allen Seiten um. Hielt Ausschau, offenbar suchte er seinen Verfolger. Von seinem Standort konnte Jaron den Mann ganz gut erkennen, der ihn wiederum nicht. Lautlos legte er sich auf der Bank nieder, nur ja keine abrupte Bewegung, um den Vorteil nicht zu verspielen.

Der Mann kam in Jarons Richtung. Es trennten sie weniger als hundert Meter. Würde der Mann ihn entdecken, wäre das sein Ende, schoss es ihm durch den Kopf. In Zeitlupe kroch er möglichst leise von der Bank. Er musste die Straßenecke unbedingt vor ihm erreichen. Dort könnte er in einem Innenhof in Deckung gehen und sich dann an ihn dranhängen. Bis zu dieser Ecke waren es ganze zwei Meter. Das ist machbar, sprach er sich Mut zu und musste unweigerlich an seine Armeezeit denken.

Jaron lief gebückt wie damals bei der Infanterie, wenn sie ein Ziel angesteuert hatten. Hatte der Mann ihn gesehen? Nur mit Mühe konnte er sich beherrschen, sich nicht umzudrehen. Er bog rasch in einen Innenhof ein und wartete ab. Der Mann ging schnell an ihm vorbei. Und war auf dem Weg zur Hauptstraße. Jaron beobachtete ihn aus sicherer Entfernung. Der Mann stellte sich an die Bushaltestelle und wartete. Am Wochenende fuhren Nachtbusse, fiel Jaron ein. Was sollte er tun, wenn ein Bus käme? Dann würde er ihm entwischen!

Tatsächlich stieg der Mann in einen Minibus ein. Jaron preschte auf die Hauptstraße. Diese Stadt hat doch ihre Vorteile, dachte er, als nach kaum zehn Sekunden neben ihm ein Taxi hielt.

»Verfolgen Sie den Minibus«, wies er den Taxifahrer an, als wären sie in einem Action-Film.

Verwundert sah ihn der Fahrer an.

»Los, nun fahren Sie doch!«

* * *

Als er nach Hause kam, war er immer noch aufgewühlt. Er setzte sich in die Küche und machte sich einen Kaffee und dann noch einen zweiten und einen dritten. In dieser Nacht würde er kein Auge zumachen. Er wollte Irith nicht wecken. Es war ohnehin schon schwer genug für sie. Adis Vergewaltigung hatte wie eine Bombe bei ihnen eingeschlagen, übermannte sie beide mit Schuldgefühlen und lähmender Ohnmacht. Das musste ein Ende nehmen. Wegen Adi. Doch nicht nur das. Auch wegen Irith und seinetwegen.

Er zählte die Minuten bis zur Dämmerung, dann könnte er Eli Nachum anrufen. Obwohl Eli beim letzten Treffen gesagt hatte, er könne ihn jederzeit anrufen, schien ihm ein Anruf mitten in der Nacht übertrieben.

Um sechs Uhr, kurz bevor er die Nummer wählen wollte, stockte er. Nein. Immer noch zu früh, entschied er. Stattdessen recherchierte er im Internet, wie bei Vergewaltigungsfällen eine Gegenüberstellung ablief. Das Prozedere fand in Gegenwart von Polizisten und Rechtsanwälten statt. Für die Opfer war das reiner Stress. Er las die Geschichte einer Frau, die schilderte, wie traumatisch die erneute Begegnung mit dem Täter für sie gewesen sei, sie habe die Vergewaltigung aufs Neue durchlebt.

Er würde nicht zulassen, dass seine Adi diese Prozedur über sich ergehen lassen musste. Er würde nicht zulassen, dass unzählige Leute sie auf dem Polizeirevier ins Verhör nahmen, sie sich diesem Psychotest unterziehen musste, während Augenpaare sie verfolgten und man sich zu jeder ihrer Reaktionen Notizen machte. Außerdem wollte er ihr ersparen, dass anschließend irgendein schmieriger Verteidiger sie löcherte, warum sie vor der Identifizierung des Täters eine Sekunde oder auch zwei gezögert habe. Wie das ablief, hatte er in Filmen gesehen. Sie bedienten sich sämtlicher schmutziger Tricks, um die Aussage des Opfers in Zweifel zu ziehen.

Er wollte, dass Adi dort hineinmarschierte und mit dem Finger auf ihn deutete. Prompt. Ohne Zögern, ohne Anspannung. Eine Minute später wäre sie wieder draußen. Und es wäre vorbei. Schließlich und endlich vorbei.

5

Kriminalkommissar Eli Nachum hasste Reporter. Insbesondere Kriminalreporter. Und vor allem Nervensägen wie Amit Giladi. Ginge es nach ihm, würde er kein Wort mit ihm wechseln. Nur war seit der Vergewaltigung im alten Norden Tel Avivs bereits ein Monat ins Land gegangen, und er hatte nicht das Geringste in der Hand. Anders als die überregionalen Medien, die in den ersten Tagen Interesse an der Vergewaltigung gezeigt, sich dann aber anderen Storys zugewandt hatten, hatte die Lokalzeitung sich in den Fall verbissen. Woche für Woche druckte sie Meldungen über die Ermittlungen, die keinerlei Fortschritt machten, über die Ohnmacht der Polizei und sein Scheitern als leitender Kriminalkommissar in diesem Fall. Dieser Kreuzzug war für ihn nichts anderes als Ausdruck der Arbeit eines Boulevardblatts, ein erbärmlicher Weg, Zeitungen zu verkaufen; doch er setzte die Zentrale unter Druck, und wenn die in der Zentrale unter Druck gerieten, gaben sie den eben an ihn weiter.

Deswegen hatte er missmutig reagiert, als der Chef der Polizeipressestelle ihm aufgetragen hatte, Giladi am Freitag zu treffen. Er hatte sich diesem Journalisten eine geschlagene Stunde gestellt, sich seine Fragen angehört, die ihm zusetzten, und versucht, ihn davon zu überzeugen, dass – auch wenn er einen anderen Eindruck habe – sie durchaus Fortschritte machten und der Fall ständig gegenwärtig sei. Was verstand diese Nervensäge schon davon? Knapp über zwanzig – ein Jüngelchen, das Mann spielte. Machte einen auf ernste Miene, schwang seinen Stift wie ein Schwert und hatte diesen überheblichen Ton am Leib. Nicht fünf Minuten wäre diese Null dem Polizeidienst gewachsen.

Nun sah er Giladi nach, der sich auf dem Gang entfernte, und kehrte zurück an seinen Schreibtisch. Entnervt.