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Über den Autor    Rolf Runde, geboren 1960, lebt in Dortmund und ist nach eigener Aussage »begeisterter Comic-Sammler, passionierter Biertrinker und eingefleischter Ruhrgebietsgourmet«. (Sein Lieblingsgericht bestellt er in der Regel mit den Worten: »Eima Currywurst Pommes rotweiß. Nee, nich einpacken, nemmich gleich so aufe Hand!«) Von Beruf Statistiker, kam er 1990 eher durch Zufall zum Jonglieren und zum Diabolo. Inzwischen füllt er damit bereits ein beachtliches Programm, bietet Workshops an und legt mit diesem Buch die bisher umfangreichste Anleitung zum Diabolo-Spiel vor.

Ralf Runde

Das große Diabolo-Buch

Über 100 Tricks
für Anfänger und Fortgeschrittene

 

 

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Zu diesem Buch

Vor etwa zwei Jahren bin ich zum erstenmal einem Diabolo begegnet. Einige Jongleure gaben auf der Straße ihre Kunststückchen zum Besten und luden nach der Vorstellung das Publikum ein, doch ruhig einmal das eine oder andere ihrer Utensilien auszuprobieren. Ich entschied mich für das Diabolo. Noch anfangs kläglichen Versuchen gelang es mir schließlich doch, das Diabolo (wenn auch reichlich unkontrolliert, aber immerhin) auf dem Seil zu halten. Schon mutiger geworden, startete ich meinen ersten Wurf (schließlich hatte ich ja während der Vorstellung aufgepaßt) … über das Wiederauffangen wollen wir an dieser Stelle lieber den Mantel des Schweigens decken. Am nächsten Tag war ich stolzer Besitzer eines eigenen Diabolos.

Dann begann eine mühsame Zeit voller Frust. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich das Diabolo völlig resigniert in die Ecke geworfen habe und nie wieder anrühren wollte. Doch es hatte mich damals schon gepackt. Heute bin ich froh, daß ich nicht aufgegeben habe. Irgendwann konnte ich dann meine ersten drei Tricks und wußte nicht mehr weiter. Ich bekam das Buch von Dave Finnigan in die Hände und machte mich wieder ans Werk. Weitere Tricks habe ich mir bei verschiedenen Jonglier-Festivals zeigen lassen (in diesem Zusammenhang: vielen Dank an Benedikt Böhmer für die Anregungen bei seinem Workshop in Ahlen 1991). Bei der Suche nach einem Buch über das Diabolo war ich allerdings bisher nicht sehr erfolgreich. Einige Jonglierbücher widmen dem Diabolo ein oder zwei Kapitel. Was ich dort gefunden habe, ist nur eine sehr kleine Auswahl von Tricks, und die sind oft auch noch schwer verständlich beschrieben.

So entstand die Idee zu diesem Buch. Es sollte sich gleichermaßen an Anfänger und Fortgeschrittene wenden. Ich habe versucht, den Einstieg für Leute zu beschreiben, die das erste Mal ein Diabolo in der Hand haben. Darauf aufbauend kann dann mit diesem Buch weitergearbeitet werden. Für Diabolospieler, die schon einige Tricks beherrschen, sind die ersten Kapitel natürlich überflüssig. Allerdings bin ich der Meinung, daß ein Diabolobuch nur mit Anfängertricks nicht sehr sinnvoll ist. Ich denke, daß auch so mancher Fortgeschrittene hier noch etwas Neues entdecken wird.

Als ich zu schreiben begann, stellte ich plötzlich fest, daß ein gewaltiger Unterschied darin besteht, einen Trick zu beherrschen oder ihn zu erklären. Ich habe mich trotzdem bemüht, die Bewegungsabläufe ausführlich zu erläutern, auch wenn dadurch manche Beschreibungen auf den ersten Blick etwas umständlich erscheinen. (in einem Buch fand ich einmal folgende Anleitung: »Nun lasse das Diabolo um dein Bein kreisen.« Das war alles. Als Anregung ist das vielleicht ganz nett, aber wie ich das machen sollte, war mir ein Rätsel.) An dieser Stelle danke ich allen, die sich von mir überreden ließen, Diabolospielen nach meinem Manuskript zu lernen, um zu überprüfen, wie praktikabel das ist. Zusätzlich zur Beschreibung habe ich die wichtigsten Stationen eines Tricks in Zeichnungen festgehalten. Desweiteren gibt es für fast jeden Trick eine Kurzbeschreibung und eine Rubrik »beliebte Fehler«. Hier habe ich versucht zusammenzufassen, was bei dem jeweiligen Manöver schiefgehen kann, und was dagegen zu tun ist. Diese Rubrik (genauso wie übrigens das ganze Buch) erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Das Buch ist so aufgebaut, daß man nicht erst einen Trick beherrschen muß, bevor man umblättern kann, um sich dem nächsten zu widmen. Anfänger sollten schon vorne beginnen, können aber später an einer beliebigen Stelle einsteigen und ruhig auch die eine oder andere Variante überspringen. Dem einen liegen eben mehr die Tricks am Seil, während der andere das Diabolo lieber wirft.

Ich habe die Bewegungsabläufe aus der Sicht eines Rechtshänders beschrieben. Es ist mir allerdings von betroffenen Personen versichert worden, daß es für Linkshänder kein Problem wäre, umzudenken.

Ein Hinweis zum Lernen neuer Tricks: Die Art, in der ich die Bewegungsabläufe beschrieben habe, ist nicht dazu geeignet, sich mit dem Diabolo auf dem Seil vor das aufgeschlagene Buch zu stellen, und dann nach dem Motto zu verfahren: »Ersten Satz lesen, sofort nachmachen, zweiten Satz lesen, nachmachen, usw.« Der gesamte Ablauf sollte wenigstens in etwa verstanden worden sein, bevor das Diabolo überhaupt ins Spiel kommt. Deshalb mein Tip: Am einfachsten übt es sich zu zweit. Wenn zwei Spieler die Beschreibung eines Tricks gleich verstanden haben, ist es sehr viel wahrscheinlicher, daß sie richtig verstanden worden ist. Außerdem kann man zu zweit »trocken« üben, das heißt ohne daß sich das Diabolo dreht. Während einer die Stöcke halt, nimmt der andere das Diabolo und führt es den Weg, den es bei dem Trick zurücklegen soll. So ist der Bewegungsablauf nicht nur einfacher nachvollziehbar, es ist auch sofort Hilfe zur Stelle, wenn man sich hoffnungslos in den Wirren und Knoten des Seiles verfangen hat.

Noch drei Worte in eigener Sache: Die Beschreibung der Tricks erfolgt in der »Du-Form«. Ich habe nach einer anderen Lösung gesucht, aber nichts gefunden, was mir gefallen hatte. Wenn einer der Leser lieber mit »Sie« angeredet werden möchte, so soll er sich einfach gesiezt fühlen. Das gilt auch für Leserinnen.

Desweiteren bin ich für jede Anregung zu diesem Buch und vor allen Dingen für weitere Tricks sehr dankbar. Ich lerne ständig dazu, und vielleicht gibt es – nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Hinweise von überaus zufriedenen und dankbaren Lesern, die schon lange auf ein solches Diabolo-Buch gewartet haben – bald eine Fortsetzung.

Zu guter Letzt noch eines: Wer bei seinem Publikum wahre Ausbrüche an Begeisterung, Jubel und »Boah-eyh«s (so sagt man bei uns, wenn man etwas »echt gut« findet) hervorrufen will, der wird vielleicht enttäuscht sein. So traurig es auch ist, aber das Staunen der Menge ist am größten, wenn das Diabolo einfach nur sehr weit hochgeworfen und wieder aufgefangen wird. Dagegen erzeugt eine Hyperkombination (um das Bein, hinterm Rücken, durch die Hosentasche …) meist nur ein beifälliges Mundwinkelzucken. Was ich damit sagen will? NICHT AUFGEBEN, auch wenn ein Trick nach tagelangem Üben dem bis dahin besten Freund gezeigt wird, und dieser sich höchstens zu einem »Na ja, ganz nett« bequemt. In diesem Sinne.

Rolf Runde

Dorstfelder Hellweg 92

44149 Dortmund

1. Das Material

… bestimmt ist der eine oder andere gute Tip dabei

Wo bekomme ich ein Diabolo? Nun, natürlich im Jonglierladen. Allgemein werden Diabolos in drei verschiedenen Größen angeboten und kosten einschließlich der Stöcke zwischen zwanzig und sechzig Mark. Das kleine Diabolo ist gerade zum Werfen und Wiederauffangen geeignet. Etwas kompliziertere Tricks – wie sie etwa in diesem Buch beschrieben werden – sind damit nicht machbar. Das mittlere Diabolo ist schon recht brauchbar. Für mich ist es zum »Reisediabolo« geworden. Mit ihm sind alle Tricks möglich. Allerdings habe ich festgestellt, daß sich das große Diabolo für Anfänger und später auch zum Erlernen neuer Tricks für Fortgeschrittene am besten eignet. Durch das größere Gewicht bekommt man ein besseres Gefühl für das Diabolo, man kann es schneller antreiben, und es hat, nicht zuletzt dadurch, bessere Laufeigenschaften als das mittelgroße. Es gibt auch Diabolos, die – hat man sie erst einmal genügend angetrieben – anfangen zu pfeifen. Da sie aber eine sehr lange Achse haben, drehen sie sich leicht aus der Richtung und sind somit nicht unbedingt für Tricks zu empfehlen.

»Nun«, werden einige sagen, »sechzig Mark ist 'ne Menge Holz. Kann ich mir mein Diabolo nicht auch selber bauen?« Prinzipiell ja. Ein Holzdiabolo könnte ich mir schon vorstellen, aber nicht, wie man das aus anderem Material mit dieser Präzision hinbekommen soll. Außerdem ist so ein Diabolo – abgesehen von einem neuen Seil hin und wieder – eine »Anschaffung fürs Leben«.

Zum Seil: Grundsätzlich kann man alles nehmen, was stabil genug ist; vom Paketband über Angelschnur bis hin zum Gardinenband. Man muß nicht unbedingt die Diaboloschnur aus dem Jonglierladen kaufen (verzeiht mir, liebe Jonglierladenbesitzer). Jeder wird für sich selbst feststellen, welches Seil ihm am besten liegt. Man sollte nur auf einige Dinge achten: Das Seil sollte glatt genug sein, damit das Diabolo einige Zeit darauf läuft; aber nicht zu glatt, denn schließlich muß das Diabolo damit auch ordentlich angetrieben werden können; und ein Seil, das nach einer halben Stunde Spielen reißt, das »taucht auch nix«. Mein persönlicher Favorit ist Drachenband (gibt es im Drachenladen und in manchen Jonglierladen vom laufenden Meter in Neongrün und Neonrot in zwei verschiedenen Stärken). Auch was die Länge des Seiles betrifft, so hat jeder seine Vorlieben (das macht Jonglieren so individuell). Ich komme ganz gut zurecht, wenn ich die Länge mit meinen ausgestreckten Armen abmesse.

Mit den Stöcken ist es wie mit dem Seil: alles Geschmackssache. Mir persönlich sind die Stöcke, die beim Kauf des Diabolos im Preis inbegriffen sind, zu schwer und zu lang. Also arbeite ich mit kürzeren Stöcken (40 cm) und dünneren (8 mm). Aber, wie gesagt, alles ganz individuell. Zwei Worte noch zu diesem Thema: Es gibt Tricks (auch in diesem Buch), bei denen muß das um den Stock gewickelte Seil nach vorne vom Stock abrutschen. Einmal abgesehen von allen anderen Gründen, warum der Trick nicht immer klappt, ist eine Ursache rein technischer Natur: Das Seil (das eigentlich abrutschen sollte) bleibt an dem Knoten hängen, mit dem es am Stock befestigt ist. Manchmal ist das Seil auch um den Stock festgeknotet und bietet somit noch mehr Möglichkeiten hängenzubleiben. Aus diesem Dilemma gibt es zwei Auswege. Im ersten Fall macht man einfach eine Kerbe in den Stock, in der das Seil dann liegt, und bedeckt den Knoten mit einem gewöhnlichen Klebeband. Die zweite Lösung ist eleganter, erfordert aber etwas mehr Arbeit und Fingerspitzengefühl. Zu dem schon vorhandenen Loch (quer durch den Stock) wird von vorne ein weiteres (längs durch den Stock) gebohrt, so daß die beiden Löcher T-förmig aufeinandertreffen. Nach einiger Feinarbeit ist das Seil dann so befestigt, daß der Knoten vorne aus dem Stock herausragt und nicht mehr im Weg ist.

Zum Schluß noch ein Tip, der sehr nützlich ist, wenn das Diabolo etwas länger auf dem Seil laufen soll. Manchmal reicht noch so kräftiges Antreiben nicht aus, wenn etwa mehrere Tricks am Stück hintereinander vorgeführt werden sollen (ohne zwischendurch anzutreiben). Da hilft eine einfache Manipulation am Diabolo selbst weiter: aufschrauben, eine Hälfte abnehmen, zusätzlich zur Lauffläche noch eine Unterlegscheibe aufsetzen, Diabolo wieder zusammenschrauben, fertig. Das Diabolo hat dadurch eine breitere Lauffläche für das Seil bekommen, und somit entsteht weniger Reibung durch die Seitenwände. Allerdings empfiehlt sich diese kleine Bastelarbeit erst für Fortgeschrittene, da sich das Diabolo jetzt sehr leicht aus der Richtung dreht (zur Korrektur siehe nächstes Kapitel).

So, damit genug der grauen Theorie, laßt uns zu Taten schreiten. Viel Spaß beim Üben und immer daran denken: Kein Trick kann beim ersten Mal hundertprozentig klappen!

2. Antreiben und Korrigieren

oder: Wieso bleibt das Ding eigentlich auf dem Seil?

Mittlerweile kenne ich sechs verschiedene Arten, das Diabolo anzutreiben, und ich bin sicher, es gibt noch einige mehr. Alle bewirken im Prinzip das gleiche, nämlich das Diabolo in Rotation zu versetzen. Hier beschreibe ich nur zwei Varianten. Die erste reicht für die einfachen Tricks aus, doch wenn du die weiter hinten beschriebenen Kombinationen üben willst, solltest du auch die zweite Version beherrschen. Auf jeden Fall liefert die zweite Methode genügend Schwung, um jeden mir bekannten Trick zu Ende zu bringen.

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Wie schon erwähnt, beschreibe ich die Handhabung des Diabolos für Rechtshänder. Wenn also hiervon der »Treibhand« die Rede ist, so meine ich die rechte Hand.

Einige grundsätzliche Anmerkungen vorweg: Das Diabolo dreht sich nur in eine Richtung. Wenn du es vor dir auf dem Seil hast und anschaust, so ist die Drehrichtung gegen den Uhrzeigersinn (Abb. 1). Hier siehst du auch die »Grundstellung«, auf die ich später noch öfter Bezug nehmen werde: Das Diabolo befindet sich mittig vor deinem Körper und zeigt mit der einen Öffnung direkt auf dich (mit der anderen entsprechend direkt von dir weg). Bei den anfänglichen Übungen kommt es regelmäßig vor, daß sich das Diabolo aus der Richtung dreht. In diesem Abschnitt wird zwar auch beschrieben, wie du das korrigieren kannst, doch für den Anfang würde ich eher empfehlen, »hinter dem Diabolo herzulaufen«, das heißt sich mit ihm zu drehen, bis es wieder in der Grundstellung vor dir ist (dabei das Antreiben nicht vergessen!). Ein weiterer Punkt der Grundstellung ist die Stockhaltung. Die Stöcke bilden mit deinem Körper einen rechten Winkel.

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Antreiben (Variante I)

Das Diabolo liegt vor dir auf dem Boden. Versuche als Vorübung, das Diabolo auf dem Boden von links nach rechts (und wieder zurück) zu rollen. Wenn es sich unter deinem linken Stock befindet, führe die rechte Hand nach oben (Abb. 2). Das Diabolo ist jetzt erstmals in der Luft und zeigt dir auch schon die Drehrichtung an. Hebe nun in einer schnellen Bewegung die linke Hand nach oben und führe gleichzeitig die rechte nach unten. Achte darauf, daß das Diabolo während dieser Bewegung keinen oder nur sehr wenig Kontakt mit dem Seil hat. Das erreichst du, indem du das Seil unter dem Diabolo schneller in Richtung Boden führst, als das Diabolo (leider der Schwerkraft ausgesetzt) nach unten fällt. Das Seil sollte dabei aber trotzdem einigermaßen straff bleiben. Nun wieder umgekehrt: Die Treibhand geht nach oben und die linke nach unten. Hierbei sollte der Kontakt zwischen Diabolo und Seil allerdings wieder sehr intensiv sein, um das Diabolo stärker in Rotation zu versetzen. Jetzt immer wieder: linke Hand hoch, rechte Hand hoch, linke Hand hoch, … nach einiger Zeit wirst du feststellen, daß das Diabolo schon ein ganz schönes Tempo hat.

Beliebte Fehler

Noch einmal: Beim Heben der »Treibhand« (wie der Name schon sagt) treibst du das Diabolo an, und es hat Kontakt zu dem straffen Seil. Dabei wird die eigentliche Hauptarbeit geleistet. Wenn du die linke Hand hochnimmst, führst du das Seil quasi unter dem Diabolo durch; es besteht also nur sehr wenig Kontakt zwischen Diabolo und Seil. Diese Bewegung dient im Prinzip nur dazu, die Treibhand wieder in eine Position zu bringen, aus der sie das Diabolo antreiben kann.

Korrigieren des gekippten Diabolos