Glück, The World Book of Happiness

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The World Book of Happiness

Herausgegeben von

Leo Bormans

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CK.

The World Book of Happiness

Das Wissen von 100 Glücksforschern

aus aller Welt

dumontlogo.tif




Aus dem Englischen von Sofia Blind

© 2011 der deutschen Ausgabe DuMont Buchverlag, Köln

Alle Rechte vorbehalten

Lektorat: Christina Holona

Satz: Hilde Knauer

Die Originalausgabe erschien 2010 unter dem Titel

Geluk. The World Book of Happiness

© 2010 Uitgeverij Lannoo nv, Leo Bormans und die Autoren

Design: Kris Demey

Fotografien: Getty Images

Bildredaktion: Kris Demey und Lieve Blancquaert

Printed in Slovenia

ISBN 978-3-8321-8564-0

DuMont eBook 2011

www.dumont-buchverlag.de

www.theworldbookofhappiness.com

Viel Freude

Die Arbeit zum Thema subjektives Wohlbefinden hat Forscher aus Wirtschaftswissenschaften, Soziologie, Psychologie, politischen Wissenschaften, Hirnforschung und anderen Gebieten zusammengeführt. Der Dialog zwischen Wissenschaftlern aus verschiedenen Disziplinen ist schwierig, aber unerlässlich, und ich bin sehr froh, dass die Glücksforschung diese Aufgabe erleichtert hat. Obwohl wir eine Vorstellung davon haben, wie manches funktioniert, sollten wir nicht unterschätzen, wie wenig wir tatsächlich wissen. Jeder, der etwas anderes behauptet, ist wahrscheinlich ein Scharlatan. Der größte Teil unserer wissenschaftlichen Erkenntnisse über das Glück bezieht sich auf reiche Länder und ist vielleicht auf die Mehrheit der Weltbevölkerung nicht anwendbar: Wieder einmal wissen wir es zurzeit einfach nicht. Bevor wir sicher sein können, muss noch einiges an Arbeit geleistet werden, und ich bin sicher, dass das viel Freude bereiten wird.

Prof. Andrew Clark (Frankreich)

Keine Pflicht

„Wie sollen wir leben?“ Diese Frage stand im Lauf der Jahrhunderte auf dem ethischen Spielplatz der Philosophen im Mittelpunkt. Bei Philosophen war es üblich, bei der Klärung des Themas, was ein gutes Leben wirklich bedeutet, von der theoretischen Ebene auszugehen; leider enthalten ihre Einschätzungen keine Informationen darüber, wie die Menschen dieses Leben tatsächlich wahrnehmen. Insofern hatte der philosophische Ansatz eher verordnenden als beschreibenden Charakter – die philosophischen Vorschläge zu der Frage, wie wir leben sollen, haben einen Beigeschmack von Pflichtgefühl und werden meist von Sanktionen für diejenigen begleitet, die sie nicht befolgen.

Die Glücksforschung beruht auf Untersuchungen darüber, wie Menschen ihr eigenes Leben bewerten, und auf der Identifizierung jener Faktoren, die erkennbar und systematisch die Lebenszufriedenheit der Menschen fördern oder beeinträchtigen. Wie die Philosophie entwickelt auch die Glücksforschung Vorschläge, wie wir ein zufriedenstellendes Leben führen können. Allerdings tragen diese Vorschläge eher den Charakter von Empfehlungen als den von Pflicht: Man ist nicht genötigt, ihnen zu folgen. Es ist sogar nicht einmal jedem möglich, ihnen zu folgen. Außerdem gibt es keine Sanktionen bei Nichtbefolgung – eine Nichtbefolgung geht jedoch meistens mit Bedauern einher.

Prof. Mariano Rojas (Mexiko)

„Wo ist die Weisheit, die wir im Wissen verloren haben?

Wo ist das Wissen, das wir in der Information verloren haben?“

T.S. Eliot, Nobelpreisträger für Literatur 1948

Willkommen im Glück. The World Book of Happiness

Meine Freunde sagen mir, ich sei Experte für angewandten Optimismus. Und so entschloss ich mich, ein Buch darüber zu schreiben: 100% Positivo. In diesem Buch ging ich auf die Suche nach dem Geheimnis des Optimismus, sowohl in mir selbst als auch in der Welt ringsum. Im Lauf dieser Suche entdeckte ich, dass schon unzählige Studien über Optimismus und Glück durchgeführt worden sind, und jeden Tag kommen neue hinzu. Der Beginn des 21. Jahrhunderts wird insofern nicht nur von schlechten Nachrichten verdüstert. Weltweit stürzen sich Tausende von Wissenschaftlern mit Leib und Seele auf das relativ neue Gebiet der Positiven Psychologie. Diese nimmt nicht Störungen, Misserfolge oder Krankheitsbilder zum Ausgangspunkt, sondern baut auf den positiven Kräften der Menschen auf. Wenn wir ein besseres Verständnis für die Dinge entwickeln, die uns gesund, glücklich und erfolgreich machen, können wir solche Mechanismen besser einsetzen, um unser eigenes Glück und das in der Welt ringsum zu schaffen. Nach einem Vortrag sprach mich einmal ein 17-jähriger Junge an. Er sagte: „Jetzt weiß ich, was ich antworten kann, wenn mich die Leute fragen, was ich werden will. Ich will Optimist werden. Ich verstehe jetzt, dass das auch etwas ist, was man lernen kann.“

Die ersten Fragen, die Journalisten an Menschen richten, die sich auf Optimismus und Glück spezialisiert haben, sind immer voller Misstrauen. „Sind Sie eine Art Idealist? Merken Sie nicht, was für ein trauriger und schrecklicher Ort die Welt in Wahrheit ist?“ Diese Fragen sind oft von Zynismus gefärbt. Zyniker sind selten glücklich, sehr von sich eingenommen, und sagen damit: „Sieh nur, wie clever und intelligent ich bin! Ich brauche nur ein paar Minuten, um alles zu ersticken, was in Dir an Leidenschaft, Feuer und Hoffnung brennt!“ Das ist die einfachste – aber nicht die erfüllendste – Lebensphilosophie. Andere versuchen, Optimismus mit trivialen Floskeln herunterzuspielen. „Ich bin weder Optimist noch Pessimist, ich bin Realist.“ Sogenannte Realisten sind in Wirklichkeit Pessimisten, die es nicht zugeben wollen. Natürlich gibt es Zeiten, in denen alles schiefgeht, und jeder hat das Recht, sich in solchen Momenten traurig zu fühlen. Trotzdem steckt in jedem von uns eine unermessliche, positive Kraft. Wir können diese Kraft entwickeln und stärken. In Nepal habe ich die Bedeutung der alltäglichen Grußformel erfahren, die so viel aussagt: Namaste – „Ich verbeuge mich vor dem Gott in Dir“.

Für dieses Buch habe ich kilometerweise wissenschaftliche Berichte und Forschungsergebnisse gelesen. Immer wieder überraschte es mich, dass keiner meiner Freunde je etwas von all dem gehört hatte. Also beschloss ich, die 100 prominentesten Fachleute der Positiven Psychologie zu kontaktieren, und bat sie, ihre Arbeit in maximal 1000 Worten zusammenzufassen, als Botschaft an die Welt. Ich entdeckte, dass Positive Psychologen auch im echten Leben nette Menschen sind. Fast alle haben meine Bitte gern erfüllt. Weil das fast zu einfach ging, beschloss ich, mir noch eine zusätzliche Herausforderung zu suchen. Ich wollte Einsichten aus der ganzen Welt in Kontakt miteinander bringen. Ich wollte Spezialisten aus 50 verschiedenen Ländern finden, die Anzahl

von Ländern, die ich selbst glücklicherweise schon besuchen konnte. Sie würden uns erzählen,
wie wir in unserem Leben Veränderungen bewirken können, und sich dabei auf vier Kernelemente konzentrieren. Erstens wollte ich nur Einsichten, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen – ich war nicht an spiritueller Philosophie interessiert. Zweitens sollten sich ihre Schlussfolgerungen nicht nur auf das individuelle Glück beziehen, sondern auch auf das Glück von Gruppen, natürlichen Lebensgemeinschaften, Organisationen und Ländern. Darüber hinaus sollten die Schlussfolgerungen eine gegenseitige Befruchtung von Ideen ermöglichen: eine globale Vision des weltweiten Glücks. Schließlich sollten die Texte in einer leicht verständlichen Sprache geschrieben sein – bei unserer Suche nach dem Glück wollen wir nicht über die Hürden akademischen Fachjargons stolpern. Alle Professorinnen und Professoren, die ich ansprach, empfanden diese Herausforderung als ganz besondere Prüfung. Sie schafften es, Informationen in Wissen zu verwandeln und Wissen in Weisheit. Ich danke ihnen allen von ganzem Herzen und hoffe, dass dieses Buch auf die eine oder andere Weise zum Glück jedes Menschen auf der Welt beitragen wird, sodass wir uns nicht vom Fatalismus der Angst lähmen, sondern uns von der Dynamik der Hoffnung inspirieren lassen – trotz allem … und genau deswegen.

Leo Bormans

Herausgeber

Ich widme dieses Buch

all den Menschen auf der Welt,

die es nie lesen werden.


Mein besonderer Dank gilt

Riet, Ine, Kasper,

meinen Freunden, Ruut Veenhoven,
De Heerlijckyt van Elsmeren

und allen anderen, die an

diesem wunderbaren Projekt

mitgewirkt haben.


Weitere Hintergrundinformationen,

einen kurzen Film, Aktuelles, Reaktionen

und Kontaktadressen gibt es unter:

www.theworldbookofhappiness.com

Obwohl es feine Bedeutungsunterschiede

zwischen den Begriffen „subjektives Wohlbefinden“,

„Lebenszufriedenheit“ und „Glück“ gibt,

gehen wir in diesem Buch davon aus,

dass sie das Gleiche bedeuten.

Inhaltsverzeichnis

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Der andere in uns

arrow.psd Ganz allein auf dem Gipfel eines Berges. Glücklich?

arrow.psd Sie sind allein zu Hause, halten Fenster und Türen aber geschlossen. Glücklich?

arrow.psd „Ich komm schon alleine zurecht.“ Glücklich?

Kann jemand, auf sich allein gestellt, vollkommen glücklich sein? Christopher Peterson glaubt das nicht. Seiner Meinung nach empfangen wir das größte Glück von anderen. Peterson hat die Grundlagen der Positiven Psychologie entwickelt. Ob er es schaffen würde, sein Wissen und seine Erkenntnisse in zwanzig Zeilen zusammenzufassen? „Drei Worte reichen“, sagt er. Zum Glück hat er zwanzig Zeilen hinzugefügt, die diese drei Worte erklären.

Andere Menschen zählen

Positive Psychologie befasst sich wissenschaftlich mit der Frage, was das Leben besonders lebenswert macht. Die Themen dieses neuen Forschungsgebietes reichen von den biochemischen Grundlagen der Freude bis zum Wohlergehen ganzer Nationen. Trotzdem kann man sie in drei Worten zusammenfassen: Andere Menschen zählen. In der Positiven Psychologie unterstreicht jeder Beweis, jede Theorie, die Bedeutung anderer Menschen für unser Glück und unsere Gesundheit.

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Schönes lässt sich am besten in Gesellschaft anderer genießen. Die wichtigsten Bausteine eines zufriedenen Lebens sind sozialer Art. Gute Beziehungen zu anderen können sogar eine notwendige Bedingung für ein glückliches Leben sein. Glück kann man kaufen – wenn man sein Geld für andere ausgibt. Erfolge verdanken wir nicht nur unserer eigenen Begabung und Beharrlichkeit, sondern auch den Lehren und der Unterstützung der Menschen, die sich um uns kümmern. Charakterstärke erlernen wir von unseren Eltern und Lehrern. Eine gute Freundschaft am Arbeitsplatz zählt mehr als Gehalt oder Status. Menschen mit engen Beziehungen sind gesünder als solche ohne, obwohl sie – wie wir annehmen – mehr Krankheitserregern ausgesetzt sind.

Die Beatles haben uns gesagt: „All you need is love“ – die Positive Psychologie erklärt, warum. Ein gutes Leben folgt aus liebevollen Beziehungen zu Freunden, Nachbarn, Kollegen, Familienmitgliedern und Partnern.

Andere Menschen zählen. Und wir alle sind für irgendjemanden der oder die „andere“.

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Die Glücksschlüssel

arrow.psd Suchen Sie das Glück nicht in sich selbst, sondern in Ihren Beziehungen zu anderen.

arrow.psd Lieben und ehren Sie die Menschen, die Ihnen wichtig sind: Ihre Eltern, Lehrer, Familienmitglieder, Kollegen und Freunde.

arrow.psd Machen Sie sich klar, dass auch Sie immer für jemanden der oder die „andere“ sind.

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Christopher Peterson ist Professor für Psychologie an der Universität Michigan (USA). Er wird oft als Gründungsvater der Positiven Psychologie bezeichnet. Er ist Mitglied der Steuerungsgruppe Positive Psychologie und Wissenschaftlicher Direktor des via Institute on Character in Cincinnati. Christopher Peterson ist für seine Studien über Charakter, Gesundheit, Optimismus und Wohlergehen weltweit anerkannt.

„Ehrgeiz macht Menschen glücklich,

aber Neid macht sie unglücklich.“

Setzen Sie auf Ehrgeiz

Zwei Gruppen von Studierenden müssen in getrennten Räumen eine Aufgabe lösen. Beide Gruppen schaffen es in ungefähr zehn Minuten. Trotzdem ist Gruppe A deutlich zufriedener mit ihrem Ergebnis als Gruppe B. Warum? Gruppe A wurde mitgeteilt, dass die anderen eine Viertelstunde für die Lösung gebraucht hätten. Gruppe B dagegen bekam zu hören, die anderen hätten die Aufgabe in nur fünf Minuten gelöst. In Wahrheit brauchten beide Gruppen gleich lang: Sie lösten die Aufgabe in zehn Minuten. Aber ihre Glücksgefühle haben nichts mit der realen Situation zu tun.

Vergleiche verderben das Glück

Anpassungsprozesse und Vergleiche ruinieren im Allgemeinen die Wohlbefindenszuwächse, die aus Einkommens- und Wirtschaftswachstum entstehen. Aber manchmal können Vergleiche Menschen glücklich machen: Wenn Menschen etwas über ihre eigenen Aussichten lernen, indem sie sich diejenigen, mit denen sie sich vergleichen, genau ansehen. Auch positive Erwartungen und Chancen auf Verbesserungen können Menschen glücklich machen. Menschen scheinen eine Vorliebe für steigende Einkommenskurven zu haben, das heißt, für Fortschritt als solchen. Kurz gesagt: Ehrgeiz macht Menschen glücklich, aber Neid macht sie unglücklich.

Daher lautet meine Empfehlung: Halten Sie sich von Vergleichsmaßstäben fern und konzentrieren Sie sich auf Ihre eigenen Pläne. Das wird Sie glücklich machen und das Wohlbefinden bewahren, das Sie aus dem beziehen, was Sie haben.

Die Glücksschlüssel

arrow.psd Vergleichen Sie sich nicht mit anderen.

arrow.psd Wenn Sie vergleichen, achten Sie darauf, was Sie aus dem Vergleich lernen können.

arrow.psd Verbannen Sie Neid. Schaffen Sie Platz für Ehrgeiz.

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Claudia Senik ist Professorin an der Universität Paris-Sorbonne (Frankreich). Hauptthema ihrer Forschungsarbeit ist die mikroökonomische Analyse von Einkommensverteilungen und subjektivem Wohlergehen. Sie verwendet einen vergleichenden Ansatz, der die unterschiedlichen Bedingungen in West- und Osteuropa in Betracht zieht. Claudia Senik betreut verschiedene Programme für internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit.

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Wie man Misserfolge umdeutet

Robert Biswas-Diener ist als „Indiana Jones der Positiven Psychologie“ bekannt – für seine Forschungen über ein emotional gutes Leben ist er in so weit voneinander entfernte Länder wie Kenia, Indien, Grönland, Spanien und Israel gereist. Er ist der Sohn von Ed Diener, dem weltweit wichtigsten Glücksexperten.

„Seit der dritten Klasse faszinieren mich andere Menschen. Damals nahmen meine Eltern mich aus der Schule, um mit mir in einem Einbaum den Amazonas hinunterzupaddeln. Stammesangehörige zu sehen, die in hölzernen Pfahlbauten am Fluss lebten, war für mich der Ausgangspunkt für eine lebenslange Neugier auf Kulturen. Dieses Interesse hat mich letztlich zu meiner Laufbahn geführt: Ich reise durch die Welt und erforsche das Glück. In jedem der Länder, die ich bereist habe, hat sich mein Verständnis dafür vertieft, was Menschen glücklich macht, und ich versuche diese Lehren in meinem eigenen Leben beim Unterrichten und Coaching anzuwenden. Als ich mich daransetzte, meinen Beitrag zu Glück. The World Book of Happiness zu schreiben, landete etwas ganz Unerwartetes auf meinem Computerbildschirm! Ich habe es sehr genossen, dies zu schreiben, aber ich bin nicht sicher, ob es das ist, was Sie suchen…“

Scheitern, Anpassungsfähigkeit und Glück

Als Glücksforscher bin ich stolz darauf, dass ich das Labor und das Universitätsgelände verlasse und meine Studien draußen im Feld durchführe. Kritiker bemängeln schon lange, dass sich die Psychologie für ihre Forschungsergebnisse über die menschliche Natur zu sehr auf Studierende als Testpersonen stützt. Natürlich ist es manchmal notwendig, das kontrollierte Umfeld eines Labors für wissenschaftliche Zwecke zu nutzen. Aber ich persönlich finde, es macht einfach mehr Spaß, sich hinauszuwagen in die große weite Welt, um das Glück zu suchen. Und ich war wagemutig! Ich hatte das Glück, an viele schöne Orte zu reisen und faszinierende Menschen zu erforschen. Bei amischen Bauern im Mittleren Westen der usa habe ich gearbeitet, bei Robbenjägern im Norden Grönlands, bei Stammesvölkern in Ostafrika und bei Sexarbeiterinnen in den Slums von Kalkutta.

Sie denken vielleicht, ich mit all meiner internationalen Forschungserfahrung hätte als wichtigste Lektion über das Glück etwas gelernt, das mit kulturellen Unterschieden oder Ähnlichkeiten zu tun hat. Wenn ja, täuschen Sie sich: Meine wichtigsten Lehren über das Glück sind nicht in den Ergebnissen der Studien gesammelt, die ich veröffentlicht habe, sondern liegen in den Misserfolgen und Schwierigkeiten bei der eigentlichen Durchführung der Forschungen.

Meinen ersten Fehlschlag erlebte ich 2002, als ich beim Volk der Inuit in Nordgrönland Forschungen zum Thema Glück durchführte. Ich war daran interessiert, Fakten über die Einheimischen zu sammeln, während sie ihren traditionellen Jagd- und Fischereigewohnheiten nachgingen. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich mein eigenes Abendessen erjagen musste, und obwohl ich mich schrecklich ungeschickt anstellte, fühlte ich die ungeheure Befriedigung dieser Tätigkeit. Grönland ist ein dramatischer, einsamer Landstrich und ich wollte etwas Abenteuerliches außerhalb meiner Wissenschaftlerpflichten erleben, also beschloss ich, von einem Fischerlager bis zur nächsten Siedlung zu wandern – ungefähr vierzig Kilometer. Unter der Mitternachtssonne brach ich auf und ging die Küste entlang, begleitet von einer Seehundfamilie. Ich gebe zu, dass ich als Amerikaner ein wenig in Hollywood-Kategorien denke: Ich stellte mir vor, der triumphale Held zu sein, der nach einer langen Wanderung durch die eisbärenverseuchte Wildnis in die Stadt schlendert. Sogar den Soundtrack dazu hatte ich im Kopf! Nach etwa acht Stunden war mein Weg jedoch durch die Stirnseite eines massiven Gletschers blockiert. Ich hatte die Wahl: Entweder könnte ich versuchen, den Gletscher zu ersteigen und zu überqueren – ein sehr gefährliches Unterfangen – oder ich könnte umkehren, die acht Stunden zum Lager als Gescheiterter zurückgehen und hoffen, dass meine Gefährten es noch nicht verlassen hätten (in diesem Fall würde ich wahrscheinlich an Unterkühlung sterben). Mein Ziel war es, die Stadt zu erreichen, und ich wollte dies unbedingt schaffen. Trotzdem entschied ich mich schließlich für den vorsichtigeren Weg und ging zurück in Richtung des Lagers. Beim Gehen, mit schmerzenden Füßen und fallender Körpertemperatur, passierte etwas: Ich begriff, dass ich nur ein Ziel durch ein anderes ersetzt hatte. Mein neues Ziel war es, sicher zurückzukommen, vorsichtig zu sein, um zu überleben und meine Frau und meine Kinder wiederzusehen – ein Ziel, das nicht weniger wertvoll war als mein ursprüngliches. Indem ich flexibel dachte, gelang es mir, einen wahrgenommenen Misserfolg begrifflich umzudeuten und meine Wanderung neu zu betrachten: als Erfolg.

„Ich hatte mein Ziel wie einen Knüppel

verwendet – um Menschen damit zu schlagen

und meinen Willen zu bekommen.“

Ein ähnlicher Fehlschlag trat ein, als ich bei den Amischen Forschungen über Glück durchführte. Diese Religionsgemeinschaft lehnt die moderne Technik wie Fernseher oder Autos ab. Weil sie sich absichtlich vom Rest der Gesellschaft fernhalten, kann es sehr schwierig sein, Zugang zu ihrer Gemeinschaft zu bekommen. Ich verbrachte Monate damit, Besuche bei Familien zu machen, nur um mit ihnen Bekanntschaft zu schließen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Trotzdem fühlte ich mich immer wieder frustriert, wenn sich die angesprochenen Menschen aus meinen Projekten zurückzogen, oft in letzter Minute – da die Amischen keine Telefone haben, konnten sie nie „vorher anrufen“. Mein erklärtes Ziel war es, so viele Teilnehmer wie möglich für meine Glücksstudie zu gewinnen, und ich hatte das Gefühl, ich würde scheitern. Ich bin dafür bekannt, mit Gruppen zu arbeiten, die schwer zugänglich sind, und mein Misserfolg bei den Amischen war für mich gleichermaßen Enttäuschung über mich selbst wie Frustration über sie. Nach diversen Absagen hielt ich inne und bewertete mein Ziel neu. Ich erkannte, dass mein Ziel nicht unbedingt das der Amischen war. Ich hatte es wie einen Knüppel verwendet – um Menschen damit zu schlagen und meinen Willen zu bekommen. Ich fing an darüber nachzudenken, was sie selbst wollten und was ich ihnen anbieten könnte. Ich begriff, dass es für beide Seiten nützlicher wäre, wenn ich Informationen austauschen würde, statt einfach Glücksdaten zu sammeln wie ein Krankenpfleger, der Blutproben nimmt. In der folgenden Woche fing ich an, in amischen Grundschulen Vorträge über das tägliche Leben in anderen Kulturen zu halten. Die örtliche Gemeinde strömte in diese Veranstaltungen und ich merkte, dass ich, indem ich genauso viel Information gab, wie ich nahm, mich wohler in meiner Rolle fühlte und bei meinen Forschungszielen erfolgreicher war. Meine Antwortrate stieg dramatisch.

In beiden Fällen – bei der Arbeit mit den Amischen wie mit den Inuit – stellte sich mir die gleiche harte Wahrheit in den Weg: Manchmal stehen den wertvollsten Zielen ernstzunehmende Hindernisse im Weg. Manchmal sind diese Hindernisse äußere Umstände, und manchmal hängen sie damit zusammen, wie man das Ziel anfangs definierte. Wenn das passiert, neigen wir dazu, frustriert oder enttäuscht zu reagieren. Aber indem wir lernen, flexibel über unsere Ziele nachzudenken und sie angesichts eines Fehlschlags anzupassen, können wir uns sogar glücklicher fühlen. Wenn Sie sich Ihr Leben als Erzählung vorstellen, als Geschichte, die sich wie in einem Buch entfaltet, können Sie sich selbst als Verfasser dieser Geschichte sehen. Es ist möglich, die Geschichte umzuschreiben, während sie passiert; kleine Änderungen, die die Geschichte Ihres Lebens verbessern und Ihr Glück steigern. Ich bin nicht an der Wanderung zu einer abgelegenen Siedlung in Grönland gescheitert, sondern ich habe es geschafft, unbeschadet eine unwirtliche Landschaft zu durchqueren und eine schwere, aber kluge Entscheidung zu treffen, die mir wahrscheinlich das Leben gerettet hat. Ich habe nicht vergeblich versucht, viele Amische davon zu überzeugen, an meinem Forschungsprojekt teilzunehmen, sondern ich habe es geschafft, den Amischen etwas zu geben, das sie wollten: Neuigkeiten aus anderen Kulturen. Flexibel über Fehlschläge nachzudenken hilft einem, aus ihnen zu lernen, an ihnen zu wachsen und sie sogar in Erfolge zu verwandeln. Ich habe nie einen Artikel zu diesem Thema veröffentlicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass es in Borneo, der Mongolei oder Madagaskar Menschen gibt, die an der Forschungsarbeit teilnehmen möchten!

Die Glücksschlüssel

arrow.psd Manchmal hängen Hindernisse damit zusammen, wie wir das Ziel anfangs definiert haben. Setzen Sie klare Ziele: für sich selbst und für andere.

arrow.psd Scheuen Sie sich nicht, innezuhalten und Ihr Ziel neu zu bewerten. Lernen Sie, flexibel zu denken. Versuchen Sie, eine wahrgenommene Niederlage in einen Erfolg umzudeuten.

arrow.psd Stellen Sie sich Ihr Leben als Geschichte vor, die sich wie ein Buch entwickelt – und Sie schreiben es selbst.

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Robert Biswas-Diener hat mehr als zwei Dutzend Bücher und Artikel über Glück veröffentlicht und ist Mitherausgeber des Journal of Happiness Studies und des Journal of Positive Psychology. Es ist der Gründer von Positive Psychology Services (USA) und Programmdirektor am Zentrum für Angewandte Positive Psychologie (Centre for Applied Positive Psychology, Großbritannien). Er ist der Autor von Happiness: Unlocking the Mysteries of Psychological Wealth (Glück: Wie man die Rätsel psychologischen Reichtums entschlüsselt). Um sicherzustellen, dass der Nutzen der Positiven Psychologie jedem zugute kommt, hat er eine gemeinnützige Organisation für Positive Psychologie mitgegründet, die den Namen „The Strengths Project“ (Das Stärken-Projekt) trägt.

„Immer mehr Einkommen

führt nicht zu immer mehr

Glück.“

Das Paradox

Eine Studie von Ed Diener hat gezeigt, dass das Glücksniveau der reichsten Amerikaner, die mehr als zehn Millionen us-Dollar pro Jahr verdienen, nur wenig höher liegt als das der Menschen, die für sie arbeiten. Und wie kommt es, dass die Menschen in einigen Entwicklungsländern glücklicher sind als Menschen in reichen Ländern? Dieses Phänomen wird das „Glücks-Paradox“ genannt. Stavros Drakopoulos untersucht zurzeit die Wirkung von Geld auf das Glück. Wie lautet sein Rat?

Der Zusammenhang zwischen Einkommen und Glück

Ein interessantes Ergebnis, das viele Volkswirte entdeckt haben, ist das Verhältnis zwischen der Einkommenshöhe und den gemessenen Glücksniveaus. Insbesondere die Resultate vieler Länderstudien zeigen, dass die Einkommenshöhe sehr wichtig dafür ist, wie glücklich sich viele Menschen fühlen. Allerdings scheint es, als ob dieser Effekt bei eher niedrigen Einkommen sehr stark ist – aber weniger deutlich bei hohen Einkommen. Experten nennen diesen Zusammenhang das „Glücks-Paradox“. In anderen Worten: Das Einkommen ist sehr wichtig für das Glück der Menschen, wenn sie arm sind, aber viel weniger wichtig, wenn sie finanziell abgesichert oder im Wohlstand leben. Dies scheint nicht nur innerhalb einzelner Länder zu gelten, sondern auch, wenn man verschiedene Länder vergleicht. Zum Beispiel kann man in einigen Entwicklungsländern höhere Glücksniveaus messen als in vielen ihrer höher entwickelten und reicheren Nachbarländer. Man könnte dies mit dem Argument erklären, dass Menschen im Allgemeinen sehr unglücklich sind, wenn ihre Grundbedürfnisse wie Nahrung und Unterkunft nicht erfüllt werden. Sobald diese Bedürfnisse gestillt sind, werden andere Gesichtspunkte wichtig. Das bedeutet, es ist essenziell, ein Einkommen zu haben, das zur Deckung wichtiger Bedürfnisse (wie sie in modernen Gesellschaften definiert werden) ausreicht. Weitere Einkommenssteigerungen dagegen scheinen keine entsprechenden Zuwächse an Glück mit sich zu bringen. Insofern bestimmen andere Faktoren wie Freiheit, Lebensqualität, Vertrauen und persönliche Beziehungen das Glück stärker als das Einkommen, sobald das Einkommensniveau ausreicht, um die gesellschaftlich definierten materiellen Bedürfnisse zu decken.

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Die theoretische Grundlage dieser Erklärung ist die hierarchische Struktur menschlicher Bedürfnisse. Es scheint, dass Einkommen wichtig für das Glück ist, aber dass immer mehr Einkommen nicht zu immer mehr Glück führt. Noch ein anderer Faktor hängt mit der Wirkung des Einkommens auf das Glück zusammen: das, was Volkswirte „Vergleichseinkommen“ nennen. Das bedeutet, dass wir unser Einkommensniveau gern mit dem von Menschen vergleichen, die im gleichen Beruf, mit gleicher Qualifikation und ähnlich vielen Jahren an Erfahrung arbeiten. Insbesondere neigen wir dazu, uns unglücklich zu fühlen, wenn wir entdecken, dass unser Einkommen hinter dem vergleichbar Qualifizierter herhinkt. Im Ergebnis werden wir vielleicht nicht einmal durch eine Gehaltserhöhung glücklicher – wenn unsere Kollegen eine noch größere Gehaltssteigerung bekommen.

Insgesamt ist es für unser Glück günstig, wenn wir andere Faktoren als das Einkommen stärker bewerten, sobald unser Einkommen mehr als ausreicht, um unsere Grundbedürfnisse zu decken.

Die Glücksschlüssel

arrow.psd Einkommen ist wichtig für Glück, aber immer mehr Einkommen führt nicht zu immer mehr Glück.

arrow.psd Vergleichen Sie Ihr eigenes Einkommen nicht mit dem Ihrer Kollegen oder anderer Menschen.

arrow.psd Legen Sie größeren Wert auf Freiheit, Lebensqualität, Vertrauen und Beziehungen. Sie alle sind wichtiger für das Glück als Ihr Einkommen.

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Stavros A. Drakopoulos ist Professor für Volkswirtschaft an der Universität Athen (Griechenland). Er war Dozent an den Universitäten von Aberdeen und Glasgow in Schottland. Eine seiner vielen Veröffentlichungen ist Values and Economic Theory: The Case of Hedonism (Werte und Wirtschaftstheorie: Der Fall des Hedonismus). Sein Forschungsinteresse gilt vor allem dem Verhältnis von Glück und Wirtschaft.

„Langfristig

überleben nur glückliche

Gesellschaften.“

Das Glück erlernen

„Die ersten Auswirkungen der neuen Möglichkeit, größeres Glück durch experimentell erprobte sozialpolitische Maßnahmen zu erzeugen, zeigen sich auf vielen Gebieten: in der Bildung wie in der Wirtschaft, im Gesundheitswesen wie im Wohnungsbau, in Kirchen wie in Sportvereinen“, sagt Ernst Gehmacher. Es gibt gute und schlechte Formen des Glücks. Aber können wir die guten ohne Schulung erlernen?

Nur glückliche Gesellschaften überleben: Fitness, Freunde und Freude

Als Sozialwissenschaftler arbeite ich seit vierzig Jahren in der Glücksforschung und habe dabei zwei grundlegende Naturgesetze erlernt:

arrow.psd Langfristig überleben nur glückliche Gesellschaften – sie sind die Gewinner im Prozess der kulturellen Evolution. In der gesamten Geschichte war menschliches Glück der entscheidende Erfolgstest für Zivilisationen, Kulturen, Gemeinschaften und Volkswirtschaften – und ist es noch heute. Es ist auch das universelle Kriterium für sozialen Zusammenhalt in jeder sozialen Einheit, von der einfachen Familie bis zur Menschheit als Ganzes.

arrow.psd Fortschritt beruht auf Wissen, Wissen beruht auf objektiver Beobachtung, und objektive Beobachtung beruht auf genauen Messungen. Wir haben gelernt, alles zu vermessen – die Größe von Atomen, die Ausmaße des Kosmos, die Tätigkeit von Neuronen im Gehirn, die Wirtschaftszyklen von Angebot und Nachfrage – aber wir haben keine allgemein akzeptierte Maßeinheit für Glück. Eine funktionierende und objektive Maßeinheit für das „Bruttosozialglück“ hat in unserer neuen globalen Weltordnung hohe Priorität, wenn wir zukünftige Katastrophen vermeiden wollen.

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Aber Glück ist nicht leicht zu finden – und noch schwerer zu bewahren. Es gibt gute, haltbare Arten von „nachhaltigem“ Glück: Es liegt Freude im Selbermachen, in Liebe und Freundschaft, in Gesundheit und Fitness, im Finden von Freunden und in der Arbeit an einer besseren Gesellschaft. Aber es gibt auch schlechte Arten von „abhängig machendem“ Glück: Alkohol und Drogen, die Jagd nach Erfolg und Status, langweilige Unterhaltungen und Einsamkeit in Gesellschaft. Langfristig werden solche Abhängigkeiten Sie selbst, Ihre Umwelt und die Gesellschaft zugrunde richten. Die guten Arten des Glücks müssen erlernt und trainiert werden. Menschen lassen sich leicht von den schlechten Arten verführen, vor allem, wenn sie unter Stress oder Entbehrungen leiden. Aber gutes Glück ist nicht nur gut für Ihre Freunde, Ihre Nachbarn und die Gesellschaft – sogar für die gesamte Menschheit. Es ist auch gut für Sie selbst! Glück ist grundsätzlich demokratisch – niemand kann glücklich sein, der sich nicht persönlich engagiert, aber persönliches Engagement kann Sie ohne soziale Unterstützung nicht glücklich machen.

Die Glücksforschung hat eine klare Botschaft: Glück kann auch im Alter entwickelt und sogar gesteigert werden, wenn drei Faktoren stimmen – Fitness, Freunde und Freude.

arrow.psd Fit? Chronische Krankheiten treffen mehr als 80 Prozent der über Fünfzigjährigen, die einen einsamen und ungesunden Lebensstil pflegen. Sie treffen nur 5 Prozent der Menschen mit gutem „Sozialkapital“ (Leben in einer Gemeinschaft), Spaß an der Arbeit oder aktiven Hobbys.

arrow.psd Freunde? Die beste Chance für „soziales“ Glück besteht, wenn Menschen in ihrem Familien- und Freundeskreis mindestens vier, aber nicht mehr als zwölf enge Beziehungen pflegen – mit vollem gegenseitigem Vertrauen und verlässlichen Hilfeleistungen. Gleichzeitig haben sie fünfzehn (ohne Obergrenze) andere freundschaftliche, kooperative Beziehungen zu Personen, die sie gut kennen, und das ausgeprägte Gefühl, zu einer größeren sozialen Einheit zu gehören (die Kriterien für „optimales Sozialkapital“).

arrow.psd Freude? Wohlstand (die Menge an Einkommen und materiellem Besitz) macht die Armen glücklicher und die Reichen unglücklicher. Wohlstandssteigerungen (Gewinne, Wertzuwächse, Karriere, Gehaltserhöhungen, allgemeines Wirtschaftswachstum) machen Menschen kurzfristig glücklicher, aber nicht dauerhaft. Große Wohlstands-Ungleichheit fördert Aggressionen und das Unglück aller. Bemühen Sie sich, gute und nachhaltige Formen des Glücks zu erreichen.

Glück muss erlernt werden. Glück kann sogar in der Schule gelehrt werden. Die ersten Experimente mit „Glücksunterricht“ an weiterführenden Schulen haben sich als erfolgreich erwiesen.

Die Glücksschlüssel

arrow.psd Geben Sie schlechte, abhängig machende Formen des Glücks auf und wählen Sie gute, nachhaltige Formen.

arrow.psd Ihr Glück wird wachsen, wenn drei Grundbedingungen stimmen: Fitness, Freunde und Freude.

arrow.psd Glück kann und muss erlernt werden. Also fangen wir sofort mit dem Lernen an!

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„Mein Beitrag für Glück. The World Book of Happiness war ein Beitrag zu meinem eigenen Glück“, sagt Prof. Ernst Gehmacher vom Club of Rome und dem BoaS, Büro für die Organisation angewandter Sozialforschung, in Wien (Österreich). Er arbeitet eng mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zusammen. Das OECD-Programm „Sozialkapital“ (Measuring Social Capital) fördert die Glücksforschung als ersten Schritt, um der Politik weltweit Instrumente zur „Glücksförderung“ (pursuit of happiness) zur Verfügung zu stellen.

La Ola – die mexikanische Welle

Das Pro-Kopf-Einkommen in Mexiko beträgt ungefähr 7000 us-Dollar pro Jahr. Das von Australien ist fünfmal so hoch. Trotzdem rangiert Mexiko in der Rangliste der glücklichsten Länder höher als Australien. „Sobald man einen annehmbaren Lebensstandard erreicht hat, ungefähr das heutige Niveau von Mexiko, vermehren weitere Wohlstandssteigerungen das Glück nicht mehr“, schreibt das Journal of Happiness Studies. José de Jesús Garcia Vega lebt und arbeitet in Monterrey (Mexiko). An diesem Ort wurde an-geblich in den 1960ern die berühmte mexikanische „La Ola“-Welle erfunden. Also heben wir die Arme und schwingen wir mit!

Das ultimative Ziel

Man sagt, das Glück sei eine Reise, kein Ziel. Meine Studien über das Glück sind für mich wirklich so etwas gewesen: eine wahrhaft wunderbare Reise! Bevor ich erkannte, dass man das Glück tatsächlich studieren kann, hatte ich das Gefühl, Glück sei das Wichtigste in meinem Leben. Als ich Aristoteles wiederentdeckte – der mir sagte, dass wir das meiste in der Absicht tun, glücklicher zu werden – wurde mir klar, dass Glück das große Ziel ist.

Viele andere Ideen haben mein Leben einfacher und glücklicher gemacht. Ich bin überzeugt, dass es meine Aufgabe ist, die Lehre des Glücks zu verbreiten, das Evangelium des Glücks zu predigen. Oft denke ich, Unwissen ist das größte Hindernis auf unserem Weg zum Glück. Es gibt viele Werkzeuge, Abläufe und Ideen, die Menschen dabei helfen können, glücklicher zu werden. Und es ist bewiesen, dass sie funktionieren! Wir müssen sie nur jedem zugänglich machen.

Fangen wir am Anfang an. Wenn man einmal beginnt darüber nachzudenken, wie man glücklicher werden könnte, ist man schon auf dem Weg. Es ist erstaunlich, wie viele ihr Leben mit harter Arbeit und dem Streben nach immer neuen Erfolgen verbringen und gleichzeitig ihr Bedürfnis nach Glück vergessen. Wir jagen ständig materiellen Gütern nach, aber wenn wir versuchen, sie zu genießen, merken wir, dass es schon zu spät ist. Man sagt oft, dass die Menschen die besten Jahre ihres Lebens darauf verwenden, Geld zu verdienen, und dafür, ihre Gesundheit und ihre Familie opfern – nur um den Rest ihrer Tage damit zu verbringen, das gleiche Geld für den Versuch aufzuwenden, ihre ruinierte Gesundheit und ihre entfremdete Familie zurückzugewinnen!

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Ich habe auch gelernt, dass es sehr hilfreich ist, wenn wir die Dinge so akzeptieren, wie sie sind. Ich erinnere mich an ein altes Gedicht: „Gott, gib mir die Geduld, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, gib mir die Kraft, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und gib mir die Weisheit, beide zu unterscheiden.“ Wir verbringen viel Zeit damit, uns über Dinge zu beklagen, die uns zustoßen, aber das ist schlicht Zeit- und Energieverschwendung. Um glücklich zu sein, müssen wir das genießen, was wir haben.

Darüber hinaus wird mir inzwischen klar, dass ich immer die Freiheit habe auszuwählen, auf welche Weise ich mit einer bestimmten Situation umgehen möchte. Nach einem Rückschlag oder einer Enttäuschung ist es an mir zu entscheiden, ob ich mich hinsetze und weine oder ob ich mich ansporne und versuche, etwas zu tun. Letztlich hängt mein Glück ausschließlich von mir und meiner Haltung ab. Alles andere ist sekundär.

Für mich ist das Leben wie eine große Party, zu der wir alle eingeladen worden sind. Unsere einzige Aufgabe ist, es zu genießen und glücklich zu sein. Der einzige Preis, den wir zahlen müssen, ist unsere Verantwortung dafür, anderen zu helfen, ebenfalls glücklich zu werden, und den Raum in dem Zustand zu hinterlassen, in dem wir ihn vorgefunden haben, oder vielleicht sogar besser. Die Menschen vor uns haben hart gearbeitet und uns diese wundervolle Bühne zum Spielen geschenkt – da ist es nur gerecht, wenn wir das Gleiche für diejenigen tun, die uns folgen werden, wenn wir gegangen sind.

Die Glücksschlüssel

arrow.psd Vergessen Sie nicht, glücklich zu sein. Viele Menschen verwenden ihre besten Jahre auf das Geldverdienen und opfern dafür ihre Gesundheit und ihre Familie. Später verwenden sie das gleiche Geld dafür, ihre ruinierte Gesundheit und ihre entfremdete Familie zurückzugewinnen.

arrow.psd Nehmen Sie die Dinge hin, wie sie kommen. Um glücklich zu sein, müssen wir genießen, was wir haben.

arrow.psd Sie haben immer die Freiheit auszusuchen, in welcher Weise Sie mit einer bestimmten Situation umgehen möchten.

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Dr. José de Jesús García Vega arbeitet im Centro de Estudios sobre el Bienestar (Zentrum für Wohlbefindensforschung) an der Universität Monterrey (Mexiko). „Der großartigste Nutzen meiner Glücksstudien sind vielleicht die vielen Freunde, die ich unter Forschern aus aller Welt gefunden habe. Sie sind immer bereit, mir zu helfen, glücklicher zu werden und mehr darüber zu lernen, was andere glücklich macht. Sie sind wunderbare Menschen und haben mir und vielen meiner Kollegen dabei geholfen, die Wissenschaft vom Glück voranzubringen.“