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Sommer 1967: Der Schwarze Lamont Gadsden verschwindet spurlos. Vierzig Jahre später erkennt Vic Warshawski einen Zusammenhang mit Chicagos Bürgerrechtsbewegung. Gadsden war ein Bodyguard von Martin Luther King. Und plötzlich gerät Warshawski in ein politisches Machtgefüge, in dem nicht nur Korruption zur Normalität gehört – sondern auch das Schweigen.

Sara Paretsky wurde 1947 in Kansas geboren und zog in den späten Sechzigerjahren nach Chicago. Dort wurde sie in Wirtschaftswissenschaften und Geschichte promoviert und arbeitete als Verkaufsmanagerin einer großen Versicherungsgesellschaft. Ihre Kriminalromane wurden in 24 Sprachen übersetzt und erfolgreich verfilmt.

Sara Paretsky

HARDBALL

Ein neuer Fall für
Vic Warshawski

Aus dem Amerikanischen
von Monica Bachler

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Für Judy Finer und Kate Jones

Die Welt und meine Worte darin
Sind ärmer, seit ihr gegangen seid.

1

Der Zorn des Anaconda-Chefs

Johnny Merton spielte mit mir, und wir wussten es beide. Für ihn war das ein netter Spaß. Er musste eine Ewigkeit für Vergehen absitzen, die von Mord und räuberischer Erpressung bis zum Missbrauch der Justiz reichten. Er hatte eine Menge Zeit zur Verfügung.

Wir saßen im Besprechungszimmer für Rechtsanwälte und ihre Klienten im Hochsicherheitsgefängnis von Stateville. Ich glaube nicht, dass Johnny mit mir redete, weil er hoffte, ich könnte ihn vielleicht früher rauskriegen. Es war viel zu lange her, dass ich als Strafverteidigerin gearbeitet hatte, und ich konnte wohl keinem Strafgefangenem helfen. Geschweige denn einem Mann, der mehrere Staranwälte gleichzeitig gebraucht hätte, die rund um die Uhr für ihn arbeiteten, ehe er auch nur den Hauch einer Chance gehabt hätte, fünf Minuten früher entlassen zu werden.

»Ich möchte, dass sich das Innocence Project um mich kümmert, Warshawski«, erklärte er mir.

»Und in welcher Sache genau sind Sie unschuldig?«, fragte ich, während ich so tat, als machte ich mir Notizen.

»In allen Punkten, derer man mich beschuldigt.« Er grinste, um mich zu überzeugen, dass er nur Spaß machte, aber ich lächelte nicht zurück. Was immer er sein mochte, ein Clown war Johnny Merton bestimmt nicht.

Er war inzwischen schon über sechzig. Während meiner kurzen Zeit beim Public Defender’s Office war ich mal seine Pflichtverteidigerin gewesen. Damals war er ein zorniger Mann. Seine Wut darüber, dass man ihm bloß eine junge, unerfahrene Anwältin zugeteilt hatte, war so groß, dass man es bei den Besprechungen in der Haftzelle kaum mit ihm aushalten konnte. Seinen Spitznamen »The Hammer« hatte er sich damit verdient, dass er jederzeit zuschlagen konnte. Seine Wutausbrüche waren berüchtigt. In den dazwischen liegenden fünfundzwanzig Jahren, von denen er nicht wenige hinter Gittern verbracht hatte, war er nicht viel milder geworden, aber er konnte jetzt mit dem System besser umgehen.

»Verglichen mit Ihnen«, sagte ich, »habe ich nur ganz kleine Wünsche: Lamont Gadsden.«

»Wissen Sie, Warshawski, das Leben im Zuchthaus nimmt einem so vieles, und eins der Dinge, die ich verloren habe, ist mein Gedächtnis. Der Name sagt mir überhaupt nichts.« Er lehnte sich zurück und verschränkte die Arme. Die mächtigen Schlangen, die von seinen Oberarmen herabkrochen, schienen sich auf seiner dunklen Haut zu bewegen. Ihre Köpfe ruhten auf seinen Handgelenken.

»Es heißt aber, Sie wüssten, wo jedes heutige und frühere Mitglied der Anacondas sich aufhält. Einschließlich ihrer letzten Ruhestätte, wenn sie nicht mehr unter uns weilen.«

»Die Leute übertreiben doch immer, Warshawski, nicht wahr? Besonders wenn sie mit einem Polizisten oder einem Staatsanwalt reden.«

»Ich suche Lamont Gadsden nicht, um was für meine Gesundheit zu tun, Johnny. Seine Mutter und seine Tante wollen ihn finden, ehe sie sterben. Obwohl er sich mit Ihnen herumgetrieben hat, Johnny, denkt seine Tante immer noch, er wäre ein braver, christlicher Junge.«

»Ja, ich muss jedes Mal weinen, wenn Sie über Miss Claudia reden. Natürlich nur, wenn ich allein bin und mich niemand sieht. Man kann es sich im Knast nicht leisten, dass einen die Leute für rührselig halten.«

»Ich glaube nicht, dass Ihr weiches Herz Sie ins Unglück stürzt«, sagte ich. »Erinnern Sie sich an Schwester Frances?«

»Ich habe von ihr gehört, Warshawski. Also, das war wirklich eine fromme, christliche Frau. Ich habe gehört, Sie sind bei ihr gewesen, als Jesus sie zu sich geholt hat?«

»Sie hören ja wirklich eine ganze Menge.« Ich legte gerade das richtige Maß an Bewunderung in das Kompliment, und Johnny war sichtlich zufrieden. Aber leider blieb er stumm.

»Wollen Sie gar nicht wissen, was sie zu mir gesagt hat, ehe sie starb?«, fragte ich.

»Wenn jemand tot ist, kann man alles Mögliche behaupten. Ein netter Versuch, aber ich werde nicht anbeißen.«

»Und was ist mit den Lebenden? Wollen Sie wissen, was Ihre Tochter über Sie sagt?«

»Sie haben mit meiner Tochter geredet?« Das war ihm neu, und eine heiße Welle der Wut überrollte ihn. Die Venen an seinem Hals schwollen an. »Sie belästigen meine Familie und erzählen mir das auch noch ganz dreist?«, brüllte er. »Kommen Sie meiner Kleinen bloß nicht zu nah! Sie führt ein Leben, auf das jeder Vater stolz sein könnte, und ich werde nicht zulassen, dass solcher Abschaum wie Sie meine Tochter zu Fall bringt. Ist das klar?«

Der Aufsichtsbeamte kam aus der Ecke herüber und tippte ihm an den Arm. »Johnny, regen Sie sich nicht auf.«

»Nicht aufregen? Ich soll mich nicht aufregen? Würden Sie vielleicht ruhig bleiben, wenn sich dieses Miststück an Ihre Familie ranmacht? … Ich würde dich nicht mal auf den Strich schicken, Warshawski, so wie du stinkst!«

Der Wächter rief nach Verstärkung. Sofort kam jemand mit Handschellen für Johnny.

»Das Innocence Project, ja?« Ich stand auf und raffte meine Papiere zusammen. »Sie sind doch zu allem fähig! Bloß den Grips, um Ihren traurigen Hintern aus dem Knast rauszuhalten, den haben Sie nicht.«

Ich ließ die Durchsuchung über mich ergehen, der sogar Rechtsanwälte sich nicht entziehen können, wenn sie Stateville betreten oder verlassen wollen. Ich hatte nichts mitgebracht, und ich verließ das Zuchthaus auch wieder mit leeren Händen. Johnny und ich hatten in den fünfundvierzig Minuten, die wir miteinander verbracht hatten, weder in dem einen noch in dem anderen Sinne etwas ausgetauscht. Trotzdem durchsuchten die Wächter sogar noch den Kofferraum meines Wagens.

Sobald ich das Gefängnisgelände verlassen hatte, fuhr ich auf den Standstreifen, um meine Arme zu strecken. Selbst in den lockersten Muskeln baut sich eine enorme Spannung auf, wenn sich hinter einem das große Tor des Hochsicherheitsgefängnisses schließt, und ich kann nicht behaupten, dass ich jemals locker wäre, wenn ich nach Stateville muss.

Stateville ist ein riesiger Komplex im westlichen Vorort Joliet, ungefähr fünfzig Kilometer vom Zentrum Chicagos entfernt. Dass ich jetzt im schlimmsten Nachmittagsverkehr durch die halbe Stadt musste, um nach Hause zu kommen, machte meine Schultern nicht lockerer. Während ich nur im Schritttempo vorwärts kam, machte ich mir eine Notiz in meinem Kalender: fünfundvierzig Minuten für die Suche nach Lamont Gadsden. Der Punkt, bei dem ich noch Geld an dem Fall verdient hätte, war längst überschritten, aber ich war inzwischen schon so tief darin verstrickt, dass ich ihn gar nicht mehr hätte aufgeben können.

Als ich mich am Country Club Plaza endlich an der Mautstation vorbeigequetscht hatte, kam die Gegend mir wieder so weit bekannt vor, dass ich auch ein paar Abkürzungen abseits der Schnellstraßen nehmen konnte. Es war inzwischen fast sieben, und die niedrig über dem Horizont stehende Septembersonne blendete mich jedes Mal, wenn die Straße eine Kurve machte.

Am liebsten wäre ich mit meinen Hunden durch die frische Luft gerannt, um den Knastgeruch aus meiner Lunge und meinen Haaren zu bekommen, ehe ich mich mit einem Drink auf die Couch setzte, um mir das Spiel zwischen den Cubs und den Cardinals anzusehen. Aber ich musste noch zwei wichtige Berichte für Klienten schreiben, mit deren Aufträgen ich meine Brötchen verdiente. Da war es besser, wenn ich erst mal im Büro vorbeifuhr und meine Hausaufgaben erledigte, damit ich das Spiel dann später auch wirklich genießen konnte.

Allerdings hatte ich keine Ahnung, was mich erwartete, als ich zu der alten Lagerhalle kam, wo mein Büro lag. Als ich den Code in das elektronische Zahlenschloss am Eingang des Gebäudes eingab, schien alles völlig normal. Das Schloss öffnete sich mit einem pfeifenden Keuchen wie eine sterbende Gans. Das war immer so. Die Tür musste ich mit der Schulter aufstoßen. Auch das war normal.

Erst als ich meine eigene Tür öffnete und das Licht einschaltete, sah ich das Chaos. Jede Akte und jedes einzelne Stück Papier, das ich im Büro hatte, lag verstreut auf dem Fußboden. Die Schränke waren umgestürzt, die Schubladen waren aufgerissen und baumelten schräg in der Luft. Meine Stadtpläne und Landkarten hingen in Fetzen von den Regalen herunter.

»Nein!« Ich konnte nur flüstern. Wer hasste mich so sehr, dass er seine Wut auf diese Art abbauen musste?

Ich fröstelte und schlang die Arme um meine Brust. Mein Büro ist eine unübersichtliche große Baracke mit verschiedenen kleinen Arbeitsbereichen, die mich immer an eine Puppenstube erinnern. Leicht konnte sich darin jemand verstecken. Ich zog mich auf den Flur zurück und setzte meine Aktentasche so vorsichtig ab, als ob ich einen Karton mit Eiern darin hätte. Ich zog mein Handy heraus und wählte 911. Erst dann ging ich – das Telefon in der Hand – auf Zehenspitzen durch mein Büro.

Die Eindringlinge waren geflohen, aber sie hatten in allen Bereichen gewütet. Ich schlich in die hintere Ecke und stellte fest, dass meine Liege umgekippt und der Kopierer aufgerissen worden war. Ich machte einen Bogen um die umgestürzten Schubladen und schaute hinter die Trennwand, wo mein Schreibtisch stand. Die Schubladen waren mit solcher Gewalt auf den Boden geschleudert worden, dass die Rahmen gebrochen waren. Und dieselben brutalen Hände hatten meine Bücher zerfleddert. Die Seiten des Illinois Criminal Code waren auf dem Boden verstreut, als wären sie zuvor von einer Konfettikanone in die Luft geschossen worden. Der Kupferstich meiner Mutter von den Uffizien und der Druck eines Bildes von Nell Choate Jones waren aus den Rahmen gerissen worden. Die Bilder selbst lagen unter den Glasscherben.

Ich hockte mich hin, hob die Uffizien auf und wiegte sie wie ein Kind in den Armen. Erst nach einiger Zeit begann mein schockgefrorenes Gehirn wieder zu arbeiten. Nichts anfassen! Vielleicht nahm die Spurensicherung ihre Arbeit ja ernst.

Und was war eigentlich mit Tessa, meiner Mitmieterin? Ich ging in die Werkstatt hinüber, wo Tessa große Metallklumpen zu modernen Skulpturen zusammenschweißt, aber da war alles in Ordnung. Sie schien am Nachmittag da gewesen zu sein – der scharfe, säuerliche Geruch der Schweißarbeiten hing noch in der Luft. Ich setzte mich mit verschwitzten Händen und pochendem Herzen an ihren Reißtisch und wartete auf die Polizei.

Als ich die Sirene hörte, ging ich nach draußen, um die Beamten in Empfang zu nehmen. Ein Streifenwagen erschien, das Blaulicht färbte die dämmrige Straße geisterhaft blau. Zwei Polizisten sprangen heraus, eine junge Frau und ein älterer Mann mit einem deutlichen Bauch.

Ich zeigte ihnen die Tastatur für das Zahlenschloss. Es musste jemand gewesen sein, der entweder die Kombination oder einen raffinierten Trick kannte, um das Sperrsystem zu umgehen. Der Beamte mit dem Bauch machte sich eine Notiz. Er fragte, wie viele Leute den Code kannten.

»Meine Mitmieterin Ms Reynolds und ein paar Leute, die für mich arbeiten. Wem Ms Reynolds die Kombination gegeben hat, weiß ich natürlich nicht.«

»Gibt’s einen Hinterausgang?«

Ich führte sie den Gang hinunter zur Hintertür. Die Stahltür war selbstschließend und hatte außen keine Klinke, keine Tastatur und kein Schlüsselloch. Die Beamtin machte sie auf und leuchtete mit ihrer Taschenlampe auf der Rampe und den Stufen herum, die in den Hof führten.

Ich entdeckte ein weißes Band auf den Betonplatten. Es war eins dieser Gummi-Armbänder, wie es die jungen Leute heute tragen, um ihre Unterstützung für dies oder jenes zu zeigen: von der Brustkrebsforschung bis zum Hockeyteam ihrer Uni. Ich bückte mich, um es aufzuheben, aber ich wusste schon, was draufstand: ONE. Das hieß: »Eine Welt«, und wenn man das las, sollte man das Bedürfnis empfinden, gemeinsam mit anderen dafür zu arbeiten, dass sich die ganze Welt beim Kampf gegen AIDS und Armut in Liebe vereinte. Bei meiner Cousine Petra hatte ich so eins gesehen. Es war ein bisschen zu groß für sie, und wenn sie sich heftig bewegte, fiel es manchmal herunter.

Petra. War Petra heute Nachmittag in meinem Büro gewesen, als der höllische Tornado alles verwüstet hatte … Plötzlich verschwamm alles vor meinen Augen, und ich landete auf der Betonplatte.

Die beiden Polizisten stellten mich wieder auf die Beine, führten mich ins Büro zurück und sorgten dafür, dass ich mich auf meinen Schreibtischstuhl setzte. Dann fragten sie, was ich da gefunden hätte.

»Meine Cousine.« Mein Mund war so trocken, dass ich nur krächzen konnte. »Meine Cousine Petra. Das Band gehört ihr.«

Die schöne, junge, selbstbewusste Petra war direkt von der Uni für ein Praktikum nach Chicago gekommen, um Brian Krumas, der Senator von Illinois werden wollte, bei seiner Kampagne zu helfen. Mein Gehirn schien erneut einzufrieren. Dann fiel mir meine Überwachungskamera ein. Die habe ich einbauen lassen, weil die Eingangstür zu weit von meinem Arbeitsplatz entfernt ist und auch nicht vom Flur aus eingesehen werden kann. Meine Finger zitterten, als ich meinen Computer hochzufahren versuchte. Das Modem hatte sich aus dem Port losgerissen. Der ältere Polizist beugte sich gespannt über mich, als ich die Kabel suchte und alles wieder zusammensteckte. Ich drückte auf den Einschaltknopf. Der Startsound meines Apple ertönte, und ich schickte ein Stoßgebet an den Gott, an den ich nicht glaube. Lieber Sankt Michael, Schutzheiliger der Polizisten und Privatdetektive, bitte sorg dafür, dass die Videoaufzeichnungen da sind.

Während die Polizisten mich scharf beobachteten, öffnete ich das Video. Meine Mitmieterin hatte das Gebäude um 11:13 betreten und um 16:07 wieder verlassen.

Um 16:17, als ich gerade draußen in Stateville mein Gespräch mit Johnny Merton beendet hatte, waren drei Personen mit tief ins Gesicht gezogenen Kopfbedeckungen und aufgestellten Jackenkragen am Eingang erschienen. Man konnte weder die Gesichter noch das Geschlecht der Vermummten erkennen. Von der Größe her schienen sie alle ungefähr ähnlich, und die Figur konnte man unter den Mänteln nicht gut erkennen. Auf der rechten Seite stand eine ziemlich stämmige Person, die in der Mitte schien die dünnste zu sein. Aber das war nur eine Ahnung. Man hörte das Summen der Türklingel, und dann tippte die mittlere Gestalt den Code für das Schloss ein.

»Wer kennt diesen Code?«, fragte der dicke Polizist noch einmal. »Ich meine, außer den Personen, die Sie schon genannt haben.«

»Ich … Meine Cousine kennt ihn«, würgte ich mühsam heraus. »Ich hab sie mal meinen Computer benutzen lassen, als sie gerade kein Internet hatte.«

»Ist sie auf diesem Video zu sehen?«, fragte die Frau.

Ich hielt das Video an. Ein Profi hätte anhand der verschwommenen Umrisse auf dem Bildschirm vielleicht das Geschlecht und die ethnische Herkunft der Einbrecher erkennen können, aber ich sah eigentlich gar nichts.

Ich griff nach meinem Telefon und rief Petra auf dem Handy an, aber es meldete sich bloß die Mailbox. Dann rief ich im Wahlkampfbüro der Krumas-Kampagne an, aber da war schon Feierabend, und keiner nahm mehr ab. Hilflos zuckte ich mit den Schultern.

Die Polizisten reagierten umgehend und schickten ihre Meldungen an die Zentrale: 60, 273, 44. Schwerer Einbruch, mögliche Körperverletzung, mögliche Entführung. Die Möglichkeiten waren erschreckend und endlos. Und während immer weitere Einsatzfahrzeuge eintrafen, machte ich den Anruf, der mir am schwersten fiel. Ich rief meinen Onkel Peter und seine Frau Rachel an, um ihnen zu sagen, dass ihre älteste Tochter verschwunden war.

2

Ein wütender Vater

»Was hast du mit ihr gemacht?« Peter packte mich an den Schultern und schüttelte mich.

»Lass mich los!«, fauchte ich. »So erreichst du gar nichts.«

»Verdammt noch mal, antworte mir!« Seine Stimme war heiser und sein Gesicht vor Wut geschwollen.

Ich versuchte mich aus seinem Griff herauszuwinden, weil ich ihm nicht wehtun wollte, aber er grub seine Finger nur noch härter in meine Schultern. Ich trat ihm ans Schienbein. Er war überrascht und schrie vor Schmerz, sein Griff löste sich. Ich trat zwei Schritte zurück. Er wollte sich erneut auf mich stürzen, aber ich duckte mich und wich aus. Ich rieb meine Schultern. Mein Onkel war zwar schon über sechzig, aber seine Pranken waren noch genauso stark wie zu der Zeit, als er in seiner Jugend im Schlachthof gearbeitet hatte.

Meine beiden Hunde knurrten. Sie spürten meine Nervosität und machten sich Sorgen um mich. Immer noch außer Atem legte ich ihnen die Hand auf den Rücken: Nur die Ruhe, Peppy. Setz dich, Mitch.

Auch mein Hauswirt Mr Contreras war aufgestanden. Er ist schon fast neunzig, aber ohne Weiteres bereit, sich in die Schlacht zu werfen, wenn es nötig ist.

»Es gibt keinerlei Grund, dass Sie sich so aufführen!«, sagte er zornig zu meinem Onkel. »Sie können mir glauben, dass Vic Ihr Mädel bestimmt nicht willentlich in Gefahr bringen würde!«

Wenn ich daran dachte, was Mr Contreras mir selbst für Vorwürfe gemacht hatte, als ich ihm heute Morgen Petras Verschwinden gebeichtet hatte, konnte ich wirklich dankbar sein, dass er mich jetzt unterstützte.

»Sie da, halten Sie Ihr verdammtes Maul, und kümmern Sie sich um Ihre eigenen Angelegenheiten, wer auch immer Sie sein mögen!« Mein Onkel freute sich offenbar, dass er ein neues Angriffsziel hatte.

»Peter, diese Schreierei und die Wut helfen uns doch nicht weiter.« Tante Rachel meldete sich aus dem Schatten hinter dem Piano. Wir fuhren erschrocken zusammen. In der Hitze des Augenblicks hatten wir ihre Anwesenheit völlig vergessen.

Als ich sie und Onkel Peter letzte Nacht endlich aufgespürt hatte, waren sie mit ihren vier jüngeren Töchtern in einem Outdoor-Camp in den Laurentian Mountains gewesen. Seine Sekretärin in Kansas City hatte mir nicht nur seine Handynummer gegeben, sondern auch dafür gesorgt, dass der Firmen-Jet von Ashley Meat sofort nach Quebec startete, um meinen Onkel und seine Familie dort abzuholen. Peter und Rachel waren die ganze Nacht durchgefahren, um so früh wie möglich zum Flugplatz zu kommen. Der Pilot hatte Peter und Rachel am O’Hare-Flugplatz abgesetzt und war dann mit den jüngeren Kindern weiter nach Kansas City geflogen, wo Rachels Mutter sie in Empfang nehmen würde.

»Petra war in den letzten Tagen ziemlich nervös«, sagte ich. »Sie hat zwar behauptet, es wäre alles in Ordnung, aber jetzt frage ich mich natürlich, ob sie das belastet hat, dieser Plan, mit diesen Gangstern in mein Büro einzubrechen.«

»Verdammt noch mal«, brüllte mein Onkel. »Petra kennt keine Gangster! Wenn sich hier jemand mit Gangstern herumtreibt, dann bist du das, verdammt. Du hängst mit den Anacondas herum. Bist ja sogar nach Stateville rausgefahren, um dich hinter Gittern im Zuchthaus mit Johnny Merton zu treffen.«

»Woher weißt du das?« Ich war verblüfft.

Rachel lächelte gequält. »Petra und ich telefonieren jeden Tag miteinander. Manchmal auch dreimal. Sie hat mir davon erzählt, dass du dich mit dem Mann im Gefängnis triffst. Sie fand das sehr spannend.«

»Und von Harvey hab ich es auch gehört«, blaffte Peter. »Er sagt, Vic hätte einen direkten Befehl von einem örtlichen Richter missachtet, der ihr verboten hat, in diesen alten Geschichten herumzuschnüffeln.«

Wenn ich nicht so unglücklich über die Sache gewesen wäre, hätte ich ihn ausgelacht. »Einen ›Befehl‹ missachtet? Ich bin doch nicht in der Army. Dieser Richter war mal vor Jahren mein Chef im Pflichtverteidigerbüro. Er hat bloß Angst, ich könnte dahinter kommen, was er damals bei einem von Johnny Mertons Leuten für schlechte Arbeit geleistet hat.«

»Na wenn schon? Jedes Bandenmitglied, das von den Straßen verschwindet, ist eine Wohltat für die Gesellschaft.«

»Sag mal, Vic, wieso bist du dir eigentlich so sicher, dass Petra gestern Nachmittag in deinem Büro war?«, fragte Tante Rachel. Sie hatte die Frage schon zehnmal gestellt, aber sie machte sich offenbar solche Sorgen, dass sie die Antwort immer wieder vergaß.

Erneut erklärte ich ihr die Sache mit dem weißen Armband, das ich vor dem Hinterausgang gefunden hatte. »Ja, natürlich könnte es auch jemand anderem gehört haben, aber das glaube ich nicht.«

»Und weshalb bist du dir so sicher, dass unsere Tochter das Schloss aufgemacht hat?«, fragte Peter. »Warum kann es nicht diese Bildhauerin gewesen sein, mit der du die Miete teilst? Vielleicht arbeitet sie ja für die Mafia?«

Ich klappte ein, zwei Mal den Mund auf und zu, ohne etwas zu sagen. Tessa Reynolds gehört zur afro-amerikanischen Aristokratie dieser Stadt, ihre Mutter ist eine berühmte Rechtsanwältin, ihr Vater ein erfolgreicher Ingenieur. Ihre Eltern waren höchst beunruhigt darüber, dass ihre Werkstatt neben meinem Büro lag, und hatten die größte Sorge, ich könnte sie in die Gosse ziehen wegen der Fälle, die ich bearbeite, und der Leute, die zu mir ins Büro kommen. Gleich gestern Abend, als der Einbruch in den Lokalnachrichten erwähnt wurde, hatte ihre Mutter mich besorgt angerufen.

Ich hatte keine Lust, mich zu rechtfertigen und meinen Gedankengang zu erklären. Dazu war ich zu müde und zu verwirrt. Stattdessen fuhr ich meinen Laptop hoch. Ich hatte das Video mit den Aufzeichnungen der Überwachungskamera an meine eigene E-Mail-Adresse geschickt, um sicher zu sein, dass es nicht verschwand. Ich zeigte meinem Onkel und meiner Tante die Bilder des Einbrecher-Trios. »Sieht jemand von denen wie Petra aus?«

»Natürlich nicht!« Mein Onkel starrte kurz auf den Bildschirm, machte drei wütende Schritte und riss dann sein Handy heraus. »Das ist doch bloß Zeitverschwendung. Ich weiß gar nicht, warum wir hier herumsitzen und uns von Vic an der Nase herumführen lassen. Die versucht doch bloß, Ausreden dafür zu finden, dass sie Petra in Gefahr gebracht hat.«

Meine Tante schüttelte den Kopf; Tränen stiegen in ihren Augen auf und tropften an ihrer Nase herunter. »Petra ist die in der Mitte.«

»Woher willst du das wissen? Bist du jetzt völlig –«

»Peter, das sind der Crocodile-Dundee-Hut und der Outback-Mantel aus Wachstuch, die sie in Melbourne gekauft hat. Sie ist so stolz darauf gewesen. Sogar auf dem Foto hier kann ich das sehen.« Durch ihre feuchten Wimpern hindurch sah sie mich an. »Vic, irgendjemand muss sie dazu gezwungen haben. Wir treffen uns in einer Stunde mit Special Agent Hatfield vom FBI. Gib mir ein paar Namen! Nenn mir Leute, mit denen das FBI reden kann!«

»Stimmt, Cookie«, sagte Mr Contreras. »Diesmal sollten Sie Ihre Karten aufdecken und nicht alles für sich behalten wie sonst immer!«

»Habt ihr schon mit ihrer früheren Zimmerkameradin im College geredet, dieser Kelsey?«, fragte ich. »Ich weiß ihren Nachnamen nicht, aber das ist die Person, von der Petra am meisten erzählt.«

»Kelsey Ingalls«, sagte meine Tante. »Sie hat mich heute Morgen gleich angerufen, als sie im Internet davon gelesen hat. Sie hat Petra anzurufen versucht wie wir alle, ist aber auch bloß an ihre Mailbox weitergeleitet worden.« Ihre Stimme fing an zu zittern. »Vic, bitte, es muss doch jemanden geben, der der Polizei oder dem FBI einen Hinweis geben kann, wo Petra jetzt ist. Bitte, bitte, sag mir die Namen!«

Ich schüttelte hilflos den Kopf. »Johnny Merton, der Chef der Anacondas kann damit nichts zu tun haben. Wenn er richtig wütend wird, ist er zu allem fähig, aber als der Einbruch passiert ist, war ich gerade bei ihm und habe mit ihm gesprochen. Er ist eigentlich erst ganz am Ende des Gesprächs richtig wütend geworden.«

Das war ein gefundenes Fressen für meinen Onkel. Er fing erneut an zu toben. Wenn er gewusst hätte, dass ich mit Gewaltverbrechern zusammenarbeite, hätte er Petra niemals in meine Nähe gelassen.

»Das habe ich schon verstanden«, sagte ich, als er sich heiser geschrien hatte. »Aber schau dir bitte mal die Uhrzeiten auf den Videoaufzeichnungen der Überwachungskamera an. Es sieht sehr danach aus, als hätte Petra ganz bewusst darauf gewartet, dass meine Mitmieterin – du weißt schon: die Bildhauerin – das Gebäude verlässt. Tessa geht weg, es folgt eine Pause von zehn Minuten, dann gibt Petra den Code ein und geht mit den beiden Dreckskerlen rein.«

»Kann das nicht Zufall sein, Vic?«, sagte meine Tante mit leiser Stimme. »Woher soll Petra solche Leute denn kennen? Sie ist doch gerade erst mit der Uni fertig geworden, sie hat nie in Chicago gelebt. Sie hat mit ein paar anderen jungen Leuten in einem Büro in der Innenstadt gearbeitet. Sie ist einfach ein nettes Mädchen aus dem Mittleren Westen, das in seinem ganzen Leben noch keinen Kriminellen gesehen hat. Ich sage ja nicht, dass es deine Schuld ist, aber du bist diejenige, die Gangster und andere Kriminelle kennt, Vic, nicht Petra. Bitte, bitte gib Bobby Mallory oder dem FBI deine Akten. Die können jeden überprüfen, mit dem du geredet hast.«

»Bobby war gestern Abend schon in meinem Büro«, sagte ich.

Er hatte die Polizisten, die den Eingang versperrten, beiseitegeschoben und mich unter meinem Schreibtisch vorgefunden, wo ich nach weiteren Spuren von Petra suchte. Trotz der vielen guten Beamtinnen im Polizeidienst, die in den letzten fünfzehn Jahren für ihn gearbeitet haben, schlägt es ihm noch immer auf den Magen, wenn er mich an einem Tatort vorfindet.

»Da bist du ja, Vicki. Einer von meinen Jungs, der schlauer ist, als er aussieht, hat deinen Namen in einem der Berichte entdeckt und ist damit zu mir gekommen. Wer ist diese Petra? Ist das Peters Tochter? In was für eine Wahnsinnsgeschichte hast du sie verwickelt? Weiß ihr Vater schon davon? Der verarbeitet dich zu Hackfleisch, wenn seinem Kind was passiert.«

»Nicht schuldig«, sagte ich müde und krabbelte unter dem Schreibtisch hervor. »Sie arbeitet für Brian Krumas und hilft bei der Kampagne. Warum sie in mein Büro gekommen ist und wen sie hereingelassen hat, weiß ich nicht, Bobby.«

Ich zeigte ihm die Videoaufzeichnungen und erklärte ihm, warum sie den Code für das Türschloss gekannt hatte. Er runzelte die Stirn und fragte seine Leute, ob sie das Material schon ins Labor geschickt hätten.

Nach dem Eintreffen von Bobby hatten die Ermittlungen deutlich an Fahrt aufgenommen. Aus aggressiven Polizisten waren plötzlich kleinlaute Freunde und Helfer geworden. Wie aus dem Nichts erschien ein Team von der Spurensicherung und begann das ganze Chaos auf Fingerabdrücke, Blut und irgendwelche anderen Spuren zu untersuchen. Für den Fall, dass es sich um eine Entführung handelte, rief Bobby das FBI an. Deren Special Agent traf eine Stunde vor Mitternacht ein, und ich musste sämtliche nutzlosen Fragen noch einmal beantworten.

Daneben hatte sich auch alsbald die Presse gemeldet. Reporter riefen mich an, und vor dem Gebäude parkte ein Fernsehteam. Mitten in meine Befragung durch den FBI-Mann platzte dann auch noch ein Anruf von Brian Krumas, für den Petra gearbeitet hatte. Er war gerade in Hollywood bei einem Essen mit Prominenten, um Spenden für seinen Wahlkampf zu sammeln, aber sein Mitarbeiterstab hatte ihn offensichtlich über Petras Verschwinden informiert. Er redete zuerst mit Bobby und dann mit mir.

»Sie sind Petras Cousine, nicht wahr? Wir haben uns bei dem Dinner auf dem Navy Pier kennengelernt, erinnern Sie sich? Ich gebe Ihnen meine direkte Durchwahl, Vic, und ich möchte, dass Sie mich sofort anrufen, wenn Sie etwas Neues erfahren, okay?«

Ich trug die Nummer in mein PDA ein und wandte mich dann wieder dem FBI zu. Ich konnte Brian Krumas verstehen. Auch wenn ihn die Presse als neuen Robert Kennedy feierte – wenn eine blonde Zweiundzwanzigjährige aus seinem Wahlkampfteam verschwand, dann war das ein ganz heikles Thema für ihn. Schadensbegrenzung war angesagt.

Als ich schließlich nach Hause gekommen war, konnte ich zunächst nicht einschlafen, und in der Nacht fuhr ich dann immer wieder aus Albträumen hoch. Verzweifelt versuchte ich, nicht daran zu denken, was Petra gerade alles geschehen konnte. Ich überlegte stundenlang, wo sie wohl sein und wen sie in mein Büro gebracht haben könnte.

Mr Contreras gab mir den Rest. »Sie sollten sowieso nicht mit solchen Verbrechern wie Johnny Merton reden«, erklärte er mir. »Das habe ich Ihnen schon beim ersten Mal gesagt, als Sie da rausfuhren, aber Sie denken ja, Sie wären die Einzige, die Recht und Unrecht unterscheiden kann. Wir anderen sind ja zu ungebildet dafür. Und jetzt haben Sie Petra ganz schön in Probleme gebracht.«

»Ich weiß genau, dass Merton ein Gangster ist«, brüllte mein Onkel. »Ich hab mir sagen lassen, was er alles verbrochen hat. Es würde mich nicht überraschen, wenn er meine Tochter gezwungen hätte, in dein Büro einzubrechen. Und eins sage ich dir« – er beugte sich so dicht zu mir herunter, dass seine Nase fast meine Stirn berührte –, »wenn sie wegen dir zu Schaden kommt, dann werde ich dir alles heimzahlen! Zehnfach! Hundertfach! Hast du verstanden?«

Ich stand einfach da und sagte kein Wort. Wenn Petra irgendwas zustoßen sollte und ich wäre schuld daran, wüsste ich nicht, wie ich jemals wieder mit mir ins Reine kommen sollte. Der Wut ihres Vaters war nichts entgegenzusetzen.

Sein Telefon klingelte, und er ging einen Schritt zurück. Ich wandte mich an meine Tante. »Du solltest mit Derek Hatfield reden. Das ist ein guter Agent.«

»Und was machst du?«, fragte sie.

»Ich werde auch meinen besten Agenten auf den Fall ansetzen«, sagte ich niedergeschlagen.

Aber mein bester Agent war nicht in der Lage gewesen, Lamont Gadsden zu finden. Mein bester Agent hatte eine Spur der Verwüstung und Trauer im Mighty Waters Freedom Center hinterlassen. Ich hoffte nur, er würde nicht bei der Suche nach Petra genauso versagen.

3

Keine gute Tat bleibt ungesühnt

Lamont Gadsden und meine Cousine Petra. Es war schwer, sich zwei Menschen vorzustellen, die weniger gemeinsam hatten: ein alter Kumpel von The Hammer Merton aus der South Side von Chicago und eine höhere Tochter der Millennium-Generation aus einem teuren Vorort von Kansas City, die eine SMS nach der anderen verschickte. Wenn ich nicht gewesen wäre und ein Haufen unglücklicher Zufälle, würde man jetzt nicht von ihnen in einem Satz sprechen.

Da Petra meine Cousine war, war es nicht weiter erstaunlich, dass sie sich bei mir gemeldet hatte, als sie frisch vom College zu Anfang des Sommers nach Chicago gekommen war, um in der Heimatstadt ihres Vaters ein Praktikum anzutreten.

Aber dass ich mich darauf eingelassen hatte, nach Lamont Gadsden zu suchen, war ein ganz blöder Zufall gewesen, und wenn ich einen Sündenbock dafür suche, fällt mir immer nur Elton Grainger ein.

Elton war der Mann, der mich in den Gadsden-Sumpf führte. Er konnte nichts dafür, wohlgemerkt. Er arbeitete seit einigen Jahren in der Straße, in der auch mein Büro lag. Wenn ich ihn zufällig traf, sagte ich »hey«, kaufte ihm Streetwise ab, die Obdachlosenzeitung, und gelegentlich spendierte ich ihm auch Kaffee oder ein Sandwich. Während eines Schneesturms hatte ich ihm mal mein Büro als Unterkunft angeboten, und er lehnte ab.

Aber dieses Jahr war er an einem goldenen Junitag vor meinem Büro zusammengebrochen. Wenn ich ihn hätte liegen lassen, wäre Petra wohl nie verschwunden und Schwester Frances vielleicht noch am Leben. Der gute Samariter kann nie sicher sein, was ihn erwartet.

Es passierte, als ich gerade den Code für das Türschloss zu meinem Büro in die Tastatur eintippte.

»Hallo, Vic, wo sind Sie gewesen? Ich hab Sie ja seit Wochen nicht mehr gesehen! Gut sehen Sie aus.« Er schwenkte die neueste Ausgabe von Streetwise. »Für Sie! Ganz frisch aus der Druckmaschine!«

»Ich war gerade in Italien«, sagte ich, während ich in meiner Brieftasche in den Dollarscheinen herumwühlte, die mir immer noch etwas komisch vorkamen. »Der erste richtige Urlaub seit fünfzehn Jahren. Ist mir gar nicht leichtgefallen, wieder zurückzukommen.«

»Ach, Auslandsreisen! Hab ich mir schon mit neunzehn abgewöhnt, als mir Onkel Sam den Trip nach Saigon bezahlt hat.«

Ich zog einen Fünfer heraus, und Elton kippte plötzlich um. Ich ließ Schlüssel und Papiere fallen und kniete mich neben ihn. Er hatte sich den Kopf aufgeschlagen und blutete heftig, aber er atmete noch, und ich spürte auch seinen federleichten, unregelmäßigen Puls, der wie eine zerbrechliche Ballerina am Takt vorbeitanzte.

Die nächsten Stunden waren ein einziger Wirbelsturm. Wir fuhren im Krankenwagen zur Notaufnahme des Krankenhauses. Sie wollten eine Menge Einzelheiten wissen, aber ich wusste ja bloß, dass er ein Obdachloser war, der auf meiner Straße in der West Town gearbeitet hatte. Dass ihn seine Frau verlassen hatte, als er immer mehr trank, war das Einzige, was er mir je erzählt hatte. Das mit Vietnam hatte ich bis dahin nicht gewusst. Er war mal Schreiner gewesen und arbeitete auch jetzt noch gelegentlich ein paar Stunden. Was die Krankenversicherung anging, konnte ich der Schwester in der Notaufnahme nicht helfen. Ich wusste auch nicht, was sie in ihr Formular schreiben sollte. Ich hoffte sehr, dass er die grüne Karte von der städtischen Gesundheitsfürsorge hatte.

Aber vor allem musste ich dringend in mein Büro. Zehn Wochen lang war ich in Europa gewesen, und auf meinem Schreibtisch warteten Berge von Arbeit. Andererseits wollte ich Elton auch nicht allein lassen, solange ich nicht wusste, wie es mit ihm weiterging. Am Ende dauerte es zwei volle Stunden, bis ein gehetzter, völlig überforderter Assistenzarzt hereinkam und sich um Elton kümmerte. Und auch das nur, weil ich der Triage-Schwester immer wieder Druck gemacht hatte. Man solle ihm Sauerstoff geben, man solle sein Herz überwachen oder sonst irgendwas tun. Elton hatte schon auf der Krankentrage das Bewusstsein wiedererlangt, aber seine Haut war eiskalt und sein Puls noch immer sehr schwach.

Als ich das dritte Mal zum Schalter kam, sprach mich eine junge Frau an. Sie war weiß, Anfang dreißig und hatte einen älteren Schwarzen in ihrer Obhut. »Gar nicht so einfach, was?«, sagte sie mit einem müden Lächeln. »Die haben so viel Personal entlassen, dass sich niemand mehr um die Patienten kümmern kann.«

Ich nickte. »Ich bin gerade erst aus Europa zurückgekommen. Ich muss mich noch an die Zeitumstellung gewöhnen – und an unsere miese Gesundheitsfürsorge.«

»Ist das Ihr Bruder?« Sie zeigte auf die Krankentrage.

»Nein, das ist ein Obdachloser, der vor meinem Büro zusammengebrochen ist.«

Die Frau presste ihre weichen, rosigen Lippen aufeinander. »Soll ich mich ein bisschen um ihn kümmern, wenn es den Ärzten gelingt, ihn wieder zu stabilisieren? Ich habe ein paar Freunde bei der Obdachlosenhilfe.«

Ich bedankte mich herzlich. In diesem Moment kam dann der Assistenzarzt, der kaum alt genug für die Highschool aussah, geschweige denn für ein solches Krankenhaus. Er fragte Elton nach seinen Schlafgewohnheiten und nach seinem Alkohol- und Zigarettenkonsum. Er hörte ihn mit dem Stethoskop ab und forderte dann ein EKG, ein EEG und ein Echokardiogramm an. Und Sauerstoff.

»Er hat eine Herzrhythmusstörung«, sagte er zu mir. »Wie ernst es ist, kann ich noch nicht sagen. Obdachlosigkeit und Alkohol, das hält keiner lange aus.«

Elton lächelte ein wenig und drückte mir mit nikotinverfärbten Fingern die Hand. »Gehen Sie nur, Vic. Ich komme schon klar. Vielen Dank für – Sie wissen schon. Gott segne Sie, und so weiter.« Er zog eine schmuddelige grüne Karte aus seiner Innentasche, und da wusste ich, dass sie ihn nicht gleich wieder auf die Straße setzen würden. Ich nahm ein Taxi zurück ins Büro. Ich vergaß Elton zwar nicht, aber ich verdrängte den ganzen Vorfall irgendwo in die hinteren Regionen meines Bewusstseins. Ich war sehr erschöpft vom Reisen, aber gleichzeitig war ich zu lange von der Arbeit weg gewesen, um jetzt sofort wieder eine Pause einzuschieben.

Ich war nicht allein in Italien gewesen, Morrell war mit dabei. Wir hatten ein Ferienhaus in den umbrischen Bergen gemietet, in der Gegend, aus der meine Mutter kam. Morrell hatte sich endlich von den Kugeln erholt, die ihn vor zwei Jahren am Khyberpass getroffen und fast das Leben gekostet hatten. Trotz der ungefähr dreihundert Reporter, die in unseren endlosen Kriegen gestorben sind, wollte er wieder zurück an die Front der Journalisten nach Afghanistan. Der Urlaub in Italien war nur ein Test für ihn, um zu sehen, ob seine Beine ihn wieder trugen.

Meine eigenen Motive waren sogar noch etwas privater gewesen. In meiner Kindheit hatte ich mit meiner Mutter nur italienisch gesprochen, aber ihre Heimat hatte ich nie besucht. Ich wollte meine Verwandten kennenlernen, ich wollte das berühmte umbrische und toskanische Licht der Renaissancemaler sehen, ich wollte Torgiano direkt in den Weinbergen trinken, wo seine Trauben herkamen. Vor allem aber wollte ich wissen, wo meine Mutter singen gelernt hatte.

Wir besuchten die Verwandten meiner Mutter, ältere katholische Cousinen, die immer wieder sagten, ich sähe meiner Mutter Gabriella so ähnlich. Über die Jahre, die meine Mutter sich mit ihrem Vater, einem italienischen Juden, hatte verstecken müssen, sagten sie nichts. Sie behaupteten, sie hätten keine Erinnerungen an meinen Großvater, der einen Tag nachdem man meine Mutter an Bord eines kubanischen Frachters geschmuggelt hatte, denunziert und nach Auschwitz geschickt worden war. Auch von Gabriellas jüngerem Bruder Mosiela, der sich 1943 den Partisanen angeschlossen hatte, wussten sie nichts. Ich hatte wohl zu viel von den Verwandten in Pitigliano erwartet.

Meine Mutter ist schon lange tot, aber ich vermisse sie heute noch. Morrell und ich besuchten das Opernhaus in Siena, wo sie ihren Auftritt als Iphigenie in Niccoló Jommelis Oper hatte, es war die einzige Hauptrolle, die sie je spielen durfte. Was mir den verrücktesten zweiten Vornamen in ganz Chicago eingebracht hatte. Wir lernten sogar eine gebrechliche, fast neunzigjährige Sängerin kennen, die sich noch daran erinnerte, mit Gabriella zusammen im Konservatorium gewesen zu sein. »Una voce com’una campana dorata«, sagte sie. Eine Stimme wie eine goldene Glocke. Das konnte ich nur bestätigen: Wenn meine Mutter sang, füllte ihre Stimme die fünf Zimmer unseres bescheidenen Bungalows in South Chicago bis zum Bersten.

Sie war eine dumme, ahnungslose, völlig mittellose Immigrantin gewesen, als sie nach Chicago kam. Sie hatte sich auf die Anzeige einer Bar in der Milwaukee Avenue beworben, in der nach einer Sängerin gesucht wurde, was dazu führte, dass ihr die Jungs im Hinterzimmer die Kleider vom Leib zu reißen versuchten, während sie »Non mi dir, bell’idol mio« sang.

Mein Vater hatte sie davor gerettet. Mein Vater, der an einem glühend heißen Julinachmittag in die Bar gestiefelt kam, um ein kühles Bier zu trinken, und sie aus den Händen des Barbesitzers befreite, der ihr gerade den Busen begrapschen wollte. Mein Vater war Polizist gewesen, ein gütiger und sanfter Mann, der meine Mutter von diesem ersten Tag an verehrte und liebte.

Als ich unter den barocken Engeln in der Oper von Siena stand, spürte ich den gewaltigen Bruch zwischen dem Glanz dieser Bühne, wo meine Mutter ihre Gesangskarriere begonnen hatte, und dem Bungalow im Schatten der Chicagoer Hochöfen, wo sie ihr Leben beschloss. Wie hätten mein Vater und ich ihr jemals ersetzen können, was ihr die faschistischen Rassengesetze geraubt hatten?

Dieser Teil der Reise war schwierig gewesen, aber nachdem wir Siena und Pitigliano verlassen hatten, verbrachten Morrell und ich noch ein paar schöne Wochen zusammen. Es wurde uns allerdings beiden klar, dass diese Reise die Abschiedstour unserer Affäre sein würde. Als wir den Urlaub geplant hatten, glaubten wir, er würde unsere Beziehung vertiefen, denn aufgrund unserer unregelmäßigen Arbeit hatten wir nie längere Zeitabschnitte miteinander verbracht. Aber als ich mit Morrell zum Bahnhof fuhr, wurde uns beiden bewusst, dass wir nicht so weitermachen, sondern Good-bye sagen wollten. Er fuhr nach Rom, um von dort aus direkt nach Islamabad weiterzufliegen, und ich würde allein nach Hause zurückkehren.

Als ich ein paar Tage später traurig von Mailand aus nach Chicago zurückflog, fragte ich mich, was Morrell und mich an einer tieferen und engeren Bindung gehindert hatte. War Morrell zu pedantisch und ich zu chaotisch? Oder war ich zu stachelig, um echte Nähe zuzulassen, wie einige meiner Freundinnen sagten? Wahrscheinlich lag es daran, dass wir uns beide im tiefsten Inneren immer nur unserer Arbeit verpflichtet fühlten. Allerdings hatte Morrells Arbeit mit der Wahrung der Menschenrechte zu tun, während ich mich immer bloß mit Betrügern und anderen Verbrechern herumschlug.

Auch dieser Gedanke beschäftigte und deprimierte mich, als ich im Taxi aus dem Krankenhaus zurück ins Büro fuhr. Fast hätte ich sogar vergessen, dass Trinkgelder in Amerika immer dreimal so hoch sind wie in Europa.

Amy Blount, eine junge, promovierte Historikerin, die gelegentlich für mich arbeitete, hatte meine Post und sonstige Schriftstücke so rigoros auf meinem Schreibtisch geordnet, dass sie geradezu stramm standen und salutierten, als ich hereinkam. Das Problem war nur, dass es so verdammt viele waren.

Während meines Urlaubs war ich nur zweimal die Woche in einem Internet-Café gewesen, um meine E-Mails zu lesen. Amy hatte zu Hause die Stellung für mich gehalten, kleinere Anfragen erledigt und Routineuntersuchungen auf meine Anweisungen hin durchgeführt. Telefoniert hatten wir nur, wenn etwas hereinkam, womit sie nicht allein fertig wurde. Kurz vor meiner Rückkehr hatte sie einen Job an der Uni gefunden, worauf sie seit drei Jahren gewartet hatte. Um ihre neue Stelle rechtzeitig zum Sommersemester antreten zu können, musste sie in aller Eile nach Buffalo aufbrechen. Sie hatte meine Papiere geordnet und einen Topf mit roten Gerbera hinterlassen, die zwar in den Tagen der Einsamkeit ein bisschen verwelkt waren, aber trotzdem einen tapferen Farbklecks in meinem Büro bildeten.

Ich gab den Blumen ein bisschen Wasser und tat dann so, als ob mich die himalaja-ähnlichen Aktenberge auf meinem endlos langen Arbeitstisch irgendwie interessierten. Unglücklicherweise lagen meine Kreditkarten-Abrechnungen gleich obenauf. Zahlen Sie innerhalb von zehn Tagen, wenn Sie nicht Ihre Kreditwürdigkeit, eine Niere oder jede Hoffnung darauf verlieren wollen, Ihr Auto je wieder voll zu tanken.

Ich schielte vorsichtig auf die American-Express-Rechnung, in der Hoffnung, dass sie dadurch kleiner würde. Ich hätte daran denken sollen, wie weit der sterbende Dollar gefallen war, als ich mich an meinem letzten Tag in Mailand mit ein Paar Lario-Stiefeln aufzuheitern versuchte. Ganz zu schweigen von dem Acrylbild von Antonella Mason, das Morrell und ich bei unserem Abstecher nach Treviso entdeckt hatten.

Ich verzog das Gesicht und zwang mich dazu, die restliche Post durchzusehen. Meine erste Priorität sollte wohl in den Außenständen von Klienten liegen, die meine Rechnungen noch nicht bezahlt hatten. Ich rief eine Zeitarbeitsagentur an und bat sie, mir eine Aushilfssekretärin zu schicken, dann stürzte ich mich auf die wichtigste Liste, die Amy mir hinterlassen hatte: die Anfragen von den Klienten, die wirklich gut zahlten.

Kurz vor fünf musste ich mit meinen Rückrufen aufhören. Mein Körper dachte, es wäre schon Mitternacht, und ich wusste manchmal mitten in hoch komplizierten Sätzen schon nicht mehr, mit wem ich eigentlich telefonierte oder welche Sprache ich gerade sprach.

Ich packte ein paar Schnellhefter in meine Tasche – eine Pessimistin sagt, die Tasche ist schon halb voll, die Optimistin sagt, sie liest die Akten beim Abendessen –, als es an der Außentür klingelte. Ich warf einen Blick auf den Bildschirm meines Computers und sah, dass es offenbar die junge Frau aus dem Krankenhaus war, die angeboten hatte, sich ein bisschen um Elton zu kümmern.

Elton! Ich hatte ihn völlig vergessen. Mein Magen zog sich zusammen. War die junge Frau gekommen, um mir die schlechte Nachricht persönlich zu überbringen? Ich drückte auf den Summer, lief rasch hinaus in den Flur und fragte, ob etwas mit Elton los sei.

»Nein, nein«, sagte sie und griff beruhigend nach meiner Hand. »Es geht ihm schon wieder besser. Ich habe heute Nachmittag ein bisschen mit ihm geredet. Er ist ein Vietnam-Veteran, deshalb wird sich die Veterans Administration um ihn kümmern. Da wird er auch besser versorgt.«

Ich nahm an, dass ihr Elton meine Adresse gegeben hatte, und bedankte mich, dass sie persönlich vorbeigekommen war, um mich zu informieren.

Sie lächelte verlegen. »Ich fürchte, ich bin gar nicht wegen Elton gekommen. Aber er hat mir gesagt, dass Sie Privatdetektivin sind, und ich glaube, Sie sind genau die Person, die ich suche.«

Ach, herrje. Eine gute Tat, und schon kriegt man einen neuen Klienten dafür. Wer sagt denn, dass wir erst im Himmel unsere Belohnung erhalten? Als ich sie in mein Büro führte, sah sie sich unsicher um, so wie fast alle Leute, die ihre Vorstellung von Privatdetektiven aus Büchern von James Ellroy und Filmen mit Humphrey Bogart beziehen.

»Was soll ich denn für Sie ermitteln, Ms …?«

»Lennon. Mein Name ist Karen Lennon. Aber für mich sollen Sie gar nichts ermitteln, sondern für eine von meinen alten Ladies.« Sie setzte sich auf die Couch, schlug die Beine übereinander und faltete ihre Hände auf ihren wohlgeformten, runden Knien. »Ich bin eine Geistliche, eine Seelsorgerin. Ich arbeite im Lionsgate Manor, einem Altersheim von Beth Israel, und meine Klientinnen sind größtenteils alte Frauen. Und eine meiner Ladies … Also, ihr Sohn ist verschwunden. Sie und ihre Schwester haben ihn aufgezogen. Sie wollen ihn unbedingt finden, damit sie in Ruhe sterben können. Das heißt, sie müssen ihn finden, sonst finden sie keine Ruhe. Ich habe mir lange überlegt, was ich tun kann, um ihnen zu helfen. Als ich gesehen habe, wie Sie sich um diesen Obdachlosen gekümmert haben, und dann erfahren habe, dass Sie Privatdetektivin sind … Also ich dachte, Ihnen kann ich die beiden alten Frauen ruhig anvertrauen, Sie behandeln sie bestimmt gut und richtig.«

»Wissen Sie, ich will mich ja vor der Arbeit nicht drücken, aber die Polizei hat doch eine ganze Abteilung für solche Fälle.«

»Meine Ladies sind Afro-Amerikanerinnen und schon sehr alt«, sagte Karen. »Sie haben böse Erinnerungen an die Polizei von Chicago. Eine Privatdetektivin wäre in ihren Augen nicht so belastet.«

»Ich kann nicht kostenlos arbeiten wie die Polizei«, sagte ich. »Oder die Heilsarmee – die haben auch einen Suchdienst.«

»Die Heilsarmee hat zwar die Daten aufgenommen, aber sie sagen, Miss Ellas Sohn wird schon zu lange vermisst, als dass sie da noch viel tun könnten.« Karen zögerte. »Miss Ella lebt von der Sozialfürsorge, sie kriegt nicht mal eine Pension von der Telefongesellschaft, für die sie jahrzehntelang irgendwelche Apparate zusammengeschraubt hat. Ich habe im Internet nach Ihnen gesucht und gesehen, dass Sie auch für viele soziale Projekte arbeiten – Frauenhäuser, Vergewaltigungsopfer, Familienplanung – ich dachte …« Wieder eine Pause. »… vielleicht könnten Sie ja pro bono arbeiten, wenn Ihre Klienten wirklich sehr arm sind.«

Ich presste die Lippen zusammen. »Manchmal kann ich umsonst arbeiten«, sagte ich, »aber nicht bei der Suche nach einem Vermissten. Vor allem nicht, wenn er schon lange vermisst wird. Wie lange ist die Sache denn her, wenn sogar die Heilsarmee sich nicht darum kümmern will?«

»Die Einzelheiten kenne ich nicht«, sagte Karen Lennon und schaute auf ihre Hände. Sie war keine gute Lügnerin. Sie fürchtete wohl, ich würde den Fall nicht annehmen, wenn sie es mir sagte. »Miss Ella kann Ihnen das alles viel besser erklären. Sie hat so ein schweres Leben gehabt. Es würde ihr sicher auf dem letzten Teil ihrer Reise sehr gut tun, wenn sie merkte, dass ihr ernsthaft jemand helfen kann.«